Jochen Schmidt

Schneckenmühle

Roman
Cover: Schneckenmühle
C.H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406646980
Gebunden, 220 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Jens ist 14 geworden und darf zum letzten Mal ins sächsische Ferienlager Schneckenmühle fahren, dort kann man Skat spielen, Fußball und Tischtennis, muss allerdings auch auf Wanderungen gehen, in den Zoo oder nach Dresden fahren, und vor allem sind da die endlosen Nächte mit Quatsch und Gesprächen über Mädchen. Nur Tanzen in der abendlichen Disko, das kommt nicht infrage, zum Tanzen ist Jens zu schüchtern. Nach einem Ausflug wird Jens krank und kommt auf die Krankenstation. Da taucht Peggy bei ihm auf, die von der Gruppe gehänselt wird, und bittet ihn, ihr Essen zu bringen, sie würde sich von nun an verstecken. Aber dann wird sie im Lager vermisst und die Polizei wird eingeschaltet. Die Sache spitzt sich zu, auch zwischen Jens und Peggy. Es ist der Sommer 1989 in der DDR - und nicht nur den Jugendlichen stehen große Veränderungen bevor.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2013

Klug, sämtliche Töne von traurig bis komisch treffend und geschickt die wohlfeile Verbindung zwischen den Leiden der Adoleszenz und der Zerfallgeschichte der DDR vermeidend, scheint dieser Roman von Jochen Schmidt beim Rezensenten alle Hoffnungen auf unterhaltsame Lektüre zu erfüllen. Dass er es bei Schmidts 1989 spielender Geschichte aus dem Ferienlager "Schneckenmühle" mit einer besonderen Coming-of-Age-Story zu tun hat, wird Rainer Moritz schnell bewusst. Zwar leidet der Held Jens wie alle 14-Jährigen unter seiner Unvollkommenheit, dem falschen Tanzschritt und Waffeleis aus Pappe (gilt nur für DDR-Sozialisierte!), doch machen Schmidts Dialogsicherheit, sein Wortwitz und sein Verzicht auf allzu viel Zeitgeschichte das Buch für Moritz zum Renner.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.04.2013

Eigentlich geht es in diesem "komisch-traurigen" Wenderoman von Jochen Schmidt gar nicht um die politische Wende und um das Ende der DDR. Viel bedeutsamer erscheint Ulrich Rüdenauer Schmidts Erzählung in Sachen Erwachsenwerden. Und die persönliche Wende des sympathisch kindlichen Helden inszeniert der Autor laut Rüdenauer in Gegenwehr zur kollektiven Erinnerung, etwa durch die konsequente Figurensicht und eine unmittelbare Figurensprache. Dass Pubertät und DDR-Dämmerung hier zusammenkommen, ist also reiner Zufall.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.02.2013

Alexander Cammann begeistert sich sehr für die vergessenen Vokabeln ("Dienstleistungswürfel") und schönen Details ("ausgewaschene Milchtüten fürs Pausenbrot"), mit denen Jochen Schmidt in seinem Roman "Schneckenmühle" eine DDR-Kindheit heraufbeschwört. Der vierzehnjährige Jens fährt im Sommer 1989 ins Ferienlager Schneckenmühle in Sachsen, wo zwar von großen Umbrüchen nichts geahnt wird, aber man in den Discos schon fleißig zu Westmusik tanzt. Nur im Hintergrund wird anderes erzählt: Gruppenleiter verschwinden spurlos und im (West-)Fernsehen sieht man Menschen über Zäune klettern. Besonders gefällt Cammann, dass Schmidt seinen Protagonisten mit einer "versponnenen Naivität" ausgestattet hat, wodurch die Illusion einer Sommeridylle sich vor dem geschichtlichen Hintergrund behaupten kann.

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