Aus dem Amerikanischen von Klaus H. Schmidt und Ulrike E. Köstler. In dieser erstmals in deutscher Sprache vorliegenden Sammlung essayistischer Reportagen konfrontiert uns Joe Bageant auf ebenso erschütternde wie humorvolle Weise mit dem Alltag des amerikanischen Proletariats. Ausgehend von seinem Geburtsort Winchester, Virginia, führt uns der Autor in Arbeiterkneipen, Fabriken, Maklerbüros, Waffen-Hochburgen wie Fort Shenandoah, fundamentalistische Kirchen, Trailer Courts, Militärgefängnisse im Irak und Seniorenheime in West Virginia. Dabei lässt er Menschen zu Wort kommen, die laut der von den Medien propagierten Ideologie der "klassenlosen Gesellschaft" gar nicht existieren dürften: Dottie, die zuckerkranke Karaoke-Sängerin und Ex-Putzfrau; Tom Henderson, Vorarbeiter bei Rubbermaid; Lynndie England, Hühner-Schlacht-Gehilfin und "Folter-Girl von Abu Ghraib", oder Ruth McCauley, die verarmte Witwe eines Kurzstrecken-Truckers.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.06.2013
Der Journalist Joe Bageant hat es sich zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wie die amerikanische weiße Arbeiterschaft tickt, berichtet Johann Osel. Mit "Auf Rehwildjagd mit Jesus" ist nun, fünf Jahre nach der Veröffentlichung im Original, endlich eine Sammlung seiner essayistischen Reportagen auch auf Deutsch erhältlich, freut sich der Rezensent. Das "kirchgängerische, jagende und fischende, Bud-Light trinkende, provinzielle Amerika" macht einen wesentlich größeren Teil der Bevölkerung aus als so manche Minderheit, die im politischen Diskurs besser vertreten ist, lernt Osel von Bageant. Zwei von fünf Bürgern dieser Schicht haben keinen Schulabschluss und sind auf Niedriglöhne angewiesen, ihr Gesundheitsrisiko ist enorm und ihre Versorgung unbezahlbar - irgendwie eine eigenwillige Art von Diskriminierung, findet der Rezensent. Trotz der verzögerten Übersetzung sind Bageants Texte jedenfalls noch immer hochaktuell, erklärt er.
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