Als Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth beugt er sich im Kölner Tatort mit grünem Kittel mürrisch über Leichen. Nach Drehschluss fährt er zurück in sein richtiges Leben: Seit über 25 Jahren arbeitet Joe Bausch als Gefängnisarzt in Werl, einer der größten deutschen Justizvollzugsanstalten. Die Häftlinge vertrauen ihm. Sie erzählen von den dunklen Seiten des Lebens, lassen ihn tief in die Abgründe ihrer Seele blicken. Hautnah erlebt er Konflikte und Tragödien: Ein Mann in U-Haft hat Angst um seine schwangere Frau. Bei Joe Bausch legt er eine Lebensbeichte ab und erhängt sich zwei Tage später. Ein Mörder gesteht weitere Verbrechen, weil er weiß, dass sein Arzt an die Schweigepflicht gebunden ist. Joe Bausch erzählt von einer Welt mit ihren eigenen Regeln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012
Schluss mit Schuld und Sühne nach den alten Regeln. Wie es anders gehen könnte, verrät der Gefängnisarzt Joe Bausch dem Rezensenten: Mehr und besser geschultes Personal, keine Gemeinschaftszellen mehr, bessere Therapieangebote. Zuvor hat Till Briegleb bei Bausch gelernt, wie der deutsche Knastalltag wirklich ausschaut, der Arzt hat den Durchblick, wie Briegleb versichert. Wenn Bausch über die Seele des Gefangenen und das Wesen des Bösen philosophiert, über Selbstmorde und Knastgeruch und Ausbrecherkönige schreibt, spürt Briegleb auch eine starke Empathie. Die Eitelkeit des Autors, die hier und dort durchbricht, kann er da verkraften. Im Ganzen eine nüchterne und würdige Betrachtung von Gewaltverbrechen und wie wir damit umgehen, findet er.
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