Das Handwerk des Tötens hatte Frantz Schmidt von seinem Vater gelernt, doch sein Leben lang strebte er danach, dem unehrenhaften Stand des Henkers zu entfliehen. Als Scharfrichter in Nürnberg waren es vor allem die Kriminellen, die Außenseiter und Pechvögel, mit denen er in Kontakt kam, der Zugang zur ehrbaren Gesellschaft blieb ihm lange verwehrt. Über seine grausame Arbeit hat Meister Frantz über 45 Jahre lang Buch geführt und der Nachwelt damit eine höchst ungewöhnliche Quelle hinterlassen. Basierend auf dem Tagebuch und anhand umfangreicher Forschung gelingt es Joel Harrington, das Leben des Frantz Schmidt in all seinen Facetten und Widersprüchen zu schildern. Er erzählt damit nicht nur eine faszinierende Lebensgeschichte, sondern erschließt uns zugleich eine Epoche, in der die Welt sich zur Moderne wandelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2014
Für Valentin Groebner reitet der Autor mit diesem Buch ein bisschen zu sehr die Historienwelle mit Erlebniskerker und Henkercomics. Populär ist Joel F. Harringtons auf den Aufzeichnungen des Scharfrichters Frantz Schmidt basierende Sachbuch für Groebner insofern, als der Historiker Schmidts Lebensgeschichte griffig und mitunter allzu altertümelnd aufschreibt, Neues über dessen Arbeitsalltag jedoch kaum zu liefern imstande ist, wie Groebner findet. Überzeugend scheint ihm der Band immer dort zu sein, wo der Autor versucht, Schmidts Notizen zu einer Geschichte des Strafens in der Frühen Neuzeit zu erweitern. An Schmidts Gefühlswelt kommt Harrington laut Rezensent allerdings kaum heran. Da könne der Autor noch sooft fragen: "Was fühlte er?".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.05.2014
Einem Scharfrichter nach seinem Geschmack begegnet Robert Jütte in Joel F. Harringtons Lebensgeschichte des Nürnberger Henkers Frantz Schmidt. Bekannt sei dieser Henker schon, meint Jütte, doch derart faszinierend, findet er, wurde dessen Geschichte noch nicht aufgeschrieben. Der Frühneizeithistoriker Harrington nutzt dafür die Tagebücher des gesetzestreuen wie musikalisch und medizinisch begabten Henkers aus neuer, sozialgeschichtlicher Perspektive, wie Jütte erklärt. Die Details aus dem Berufsleben des Scharfrichters wie aus der medizinischen Praxis der frühen Neuzeit haben den Rezensenten gut unterhalten und unterrichtet.
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