Peter Schuster erschließt in seiner Kulturgeschichte des Tötens ein schwarzes Kapitel der europäischen Geschichte und überrascht mit neuen Einsichten: Er widerlegt die Mär, die Todesstrafe sei eine Reaktion auf die alltägliche Gewalt gewesen. Zudem wurden nicht im Mittelalter, sondern zu Beginn der Neuzeit die meisten Hinrichtungen vollzogen. Einleuchtend weist er nach, dass diese Hochblüte der Todesstrafe ein Resultat der Reformation und Konfessionskonflikte war. Schuster beschreibt die Pein der zum Tode Verurteilten, die brutale Seelsorge der Pfarrer und das Schicksal der Leichen am Blutgericht. Peter Schuster erzählt von historischen Fakten und liefert gleichzeitig ein überzeugendes Plädoyer gegen die Todesstrafe und religiösen Fundamentalismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2016
Stephan Speicher ist enttäuscht über die Fahrigkeit der Darstellung in Peter Schusters Erforschung der Todesstrafe. Dass der Historiker Thesen nicht ausführt und diskutiert, sondern zwischen den durchaus quellennahen, anschaulichen und entsprechend blutrünstigen Beschreibungen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Henkersjustiz argumentativ dezentriert "irrlichtert", nimmt dem Buch laut Speicher seine Relevanz. Die vom Autor gelieferte Erklärung für die Explosion der Todesurteile um 1500 (Religion und Kirche!) überzeugt Speicher jedenfalls nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.09.2015
Enttäuscht zeigt sich Rezensent Dirk Pilz von Peter Schusters Geschichte des Tötens als staatlichem Herrschaftsinstrument. Zwar trage der Autor reichlich Material in Form von Quellen und Fallbeispielen zusammen, es fehle aber am ordnenden Zugriff auf den Stoff. An Stichpunktzettel erinnern den Kritiker die einzelnen Kapitel. Viele historische Zusammenhänge seien kaum zu verstehen, andere konstruiere der Autor fälschlicherweise, so Pilz. Die zentrale These des Buches, die Reformation habe eine wichtige Bedeutung für den Umgang mit der Todesstrafe gehabt, findet der Rezensent "so naheliegend wie begrüßenswert". Nur habe der Autor dazu kaum etwas zu sagen. Darüber hinaus entdeckt Pilz auch klischeehafte Verallgemeinerungen und damit insgesamt zu viele "lese- und erkenntnishemmende Schwächen", die der Kritiker auf einen "naiven Positivismus" des Bielefelder Geschichtsprofessors zurückführt.
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