Jörg Friedrich

14/18

Der Weg nach Versailles
Cover: 14/18
Propyläen Verlag, München 2014
ISBN 9783549073179
Gebunden, 1072 Seiten, 34,99 EUR

Klappentext

Bevor das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg eintrat, hatte es den Neid der Völker auf sich gezogen als wirtschaftlich boomende, kulturell und wissenschaftlich strahlende, sozial fortschrittliche, militärisch brillante Nation. Nach vier Jahren Krieg galt es als aggressiv, reaktionär, rechtsverachtend, schuldbeladen. Wie wurde es vom Musterschüler zum Paria Europas? Jörg Friedrich, bekannt für unorthodoxe Fragen an die Geschichte, wirft einen neuen, unverstellten Blick auf die Weltkriegsjahre 1914 bis 1918.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2014

In die Vollen langt Jörg Friedrich mit seinem opulenten Weltkriegsepos 14/18, das alle Register des unmittelbaren Erzählens zieht, bemerkt Rezensent Gustav Seibst: Mal vergegenwärtigt er mit den Mitteln der "klassischen Thriller-Literatur", mal nutzt er die erlebte Rede, mal klingt er gar wie Camus. Stilistisch kommt Seibt auf seine Kosten, wenn der Autor nicht nur die Schlachten des Ersten Weltkriegs nacherzählt, sondern auch die moralischen Kämpfe nachinszeniert, die sie begleiteten. Das scheint dem Rezensenten allerdings auch das Problem des Buches, denn der große Gewinn dermeisten neuen Publikationen besteht in Seibst Augen gerade darin, die Schuldfragen etwas hinter sich zu lassen, und die Unfähigkeit der Akteure, sich in andere hineinzuversetzen, deutlich zu machen. "Friedrich dürfte der letzte Historiker sein", schreibt Seibt, "der nach alter Weise und nach Herzenslust aufrechnet".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2014

Einen echten Friedrich hat Rezensent Christoph Cornelissen gelesen, die Mischung aus drastischen Bildern, Sentenzen und provokanten Thesen jedoch nicht ohne Magengrimmen vertragen. Als den größten Vorzug des Buches nennt er, dass sich Jörg Friedrich in seiner opulenten Kriegserzählung erst einmal den Kämpfen an der Süd- und Ostfront widmet, die angesichts des zermürbenden Stellungskriegs an der Westfront so oft in den Hintergrund geraten. Dann aber gehen die detaillierten Schilderungen des Schlachtens im Westen los, und der Rezensent verfolgt schwer schluckend, wie sich Kugeln und Geschosse durch die Gedärme der Soldaten fräsen. Nicht immer überzeugend, sondern eher "literarisch bemüht" findet Cornelissen diese Passagen. Störender aber erscheint ihm die "geschichtspolitische Melodie", die Friedrich hier mitschwingen lasse: "Wer siegt, rechnet ab", zitiert er den Autor, der seine Gegenrechnungen aufmache: Dann verbucht Friedrich Grausamkeiten auf allen Seiten, brandmarkt die Verschlagenheit der Entente-Mächte und geißelt Belgien als "Kongo-Schänder" und nur vermeintlich neutral. Hier sieht Cornelissen nicht die "geschichtswissenschatlich informierte Analyse" im Vordergrund.

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