Die spannende Biografie Gustav Heinemanns (1899- 1976). Der erste Innenminister Adenauers wurde 1969 als erster SPD-Mann Bundespräsident. Bis heute scheiden sich an ihm die Geister. Für die einen war der Mann, der in seinem Leben durch fünf Parteien ging, ein Wendehals und ein opportunistischer Parteienhopper; für andere war er ein Mann, der Kante zeigte und im Zweifel den Parteiwechsel dem Gewissenswechsel vorzog. "Die Wahrheit ist nicht nach Parteien verschieden. Es muss den Menschen wieder einmal gesagt werden, dass es nicht heißt: so oder so, sondern: Sowohl als auch! Alle haben Recht und Unrecht." Diese Worte, die der junge Student Gustav Heinemann im Jahr 1920 in sein Tagebuch schrieb, lassen etwas von dem pragmatischen Parteienverständnis erahnen, das für den Politiker Heinemann so kennzeichnend werden sollte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2009
Nein, eine politische Biografie, wie der Untertitel glauben machen will, ist das Buch von Jörg Treffke nicht geworden, warnt uns Petra Weber. Treffkes Vorgehen, Gustav Heinemanns Verhältnis zu den fünf von ihm unterstützten Parteien herauszuarbeiten, hält sie für fragwürdig. Ob der Autor der Persönlichkeit Heinemann auf die Art gerecht wird, bezweifelt sie, auch weil Treffke Heinemanns für sein politisches Handeln bedeutsame Verbindung zur evangelischen Kirche kaum behandelt. Kritisch sieht Weber auch den ambitionierten Versuch des Autors, den späteren "Bürgerpräsidenten" in die Riege Kiesinger, Globke, Filbinger zu stellen. Heinemanns Beitritt zum Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, findet Weber, ist jedenfalls kein Alleinstellungsmerkmal. Das Kapitel über Heinemanns Zeit als Bundespräsident schließlich sagt für Weber zu wenig aus über Heinemanns Qualitäten als "Radikaler im öffentlichen Dienst" (Böll).
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