Die einen nannten ihn einen Glücksfall in der Geschichte der Bundesrepublik , für die anderen war er ein notorischer Renegat , der zeitweise im Sold Moskaus stand. Oder sie verspotteten ihn als Gandhi-Apostel und politischen Tragikomiker . Dass Gustav Heinemann mittlerweile zu den eher vergessenen Bundespräsidenten gezählt wird, ist angesichts seines ertragreichen Wirkens als Bundespräsident und zuvor als Rechtspolitiker zu bedauern. Gerade in der neu belebten Diskussion um Bürger- bzw. Zivilgesellschaft in Deutschland hat Heinemanns Lebensweg mit seinen zahlreichen Facetten und seinen Um-, vielleicht auch Irrwegen mehr Beachtung und seine Äußerungen zu Bürgermut und Eigenverantwortung stärkeres Gehör verdient. An Gustav W. Heinemann schieden sich die Geister. Was ihm vonseiten der CDU, die er einst mitbegründet, dann aber im Streit mit Adenauer über die Wiederbewaffnung verlassen hatte, als Verrat und Opportunismus vorgeworfen wurde, rühmten seine Anhänger als Prinzipienfestigkeit gemäß dem Grundsatz Parteienwechsel statt Überzeugungswechsel .
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.04.2014
Thomas Flemmings Biografie des Bundespräsidenten Gustav Heinemann bespricht Jürgen Schmude, der als SPD-Politiker, Justizminister und Präses der evangelische Kirche immer einen ähnlichen Karriereweg zurückgelegt hat wie Heinemann, fehlte nur das letzte Stückchen. Die Arbeit des Berliner Historikers nennt Schmude "lehrreich und gut lesbar", das Leben des Politikers, der sich so schwer tat mit Parteien, sieht er hier verständnisvoll, aber mit kritischem Blick nachgezeichnet. Dem Rezensenten fällt auf, dass Flemming Heinemanns Verhalten gegenüber den Nationalsozialisten nicht bewertet, sondern als "Kompromiss" beschreibt, der dem Anwalt Heinemann Unabhängigkeit und Existenz sichern sollte. Und die Nachkriegslage im zerstörten Essen findet er sehr eindrücklich geschildert. Neues hat Schmude wohl nicht erfahren, aber alles gründlich und detailliert erzählt.
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