Roman Herzog, der überaus populäre, in allen politischen Lagern hoch angesehene siebte Bundespräsident, gehört zum politischen Urgestein unseres Landes. Sein Blick hinter die Kulissen der Macht und seine Erinnerungen an Begegnungen mit politischen Größen im In- und Ausland sind Pflichtlektüre für jeden politisch Interessierten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.04.2007
Thomas Kröter kann den Erinnerungen von Roman Herzog wenig abgewinnen und er hätte es offensichtlich begrüßt, wenn der ehemalige Bundespräsident sie nicht zu Papier gebracht hätte. Nicht nur mokiert sich der Rezensent über die ständig wiederkehrende Diskretion, mit Herzog über tendenziell interessante Interna der Politik hinweggeht, er hat überdies den Verdacht, dass er sich immer noch stärker als "Parteipolitiker" denn als überparteilicher Politiker versteht und somit zu Verschwiegenheit und Loyalität verpflichtet sieht, was seinen Memoiren eine gewisse Sterilität verleiht, wie er kritisiert.
Einigermaßen enttäuscht ist Rezensent Robert Leicht von dem Erinnerungsbuch des sonst von ihm sehr geschätzten Roman Herzog. Man hätte es wohl kaum verlegt, wäre Herzog nicht Bundespräsident gewesen, mutmaßt er. Und so empfiehlt er es auch als Präsidentenbuch zu lesen. Dann nämlich stelle man fest, dass Herzog in gewisser Weise in Stil und Amtsauffassung ein Vorläufer Horst Köhlers gewesen sei. Und erfreulich findet Leicht auch die Passagen, in denen Herzog seine offene Haltung gegenüber anderen Kulturen zum Ausdruck bringt. Am Ende aber kostet es Herzog gewaltige Sympathien, weil er recht unverhohlen die Bereitschaft signalisiert, seine präsidiale Neutralität in den Dienst der Interessen seiner Partei zu stellen - offenherzige Passagen des Buches, die den Rezensenten auch deshalb nachhaltig irritieren, da sie aus der Feder eines, wie er schreibt, der "besten Staatsrechtler dieses Landes" stammen.
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