Die vier in diesem Buch versammelten Essays werfen die alte Frage nach dem Endzweck der Geschichte in der neuen Perspektive einer Ethik des historischen Denkens auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2003
Rezensent Gerrit Walther zeigt sich recht angetan von Jörn Rüsens "zergrübelt-ambitionierten Aufsätzen", in denen er Einspruch gegen die postmoderne Geschichtstheorie erhebt. Rüsen spricht nach Ansicht Walthers im "hohen Ton der Theorie", doch seine Argumention sei existenzialistisch. Wer die Vergangenheit für bloße Konstruktion halte, referiert der Rezensent die zentrale These Rüsens, verkenne, wie stark seine eigene Art zu denken und zu urteilen durch historische Umstände "konstruiert" seien, wie sehr die Schmerzen und "Traumata" gelebter und erlittener Geschichte seine eigene Gegenwart prägten. Einsicht in die Geschichte sei für Rüsen deshalb moralische Teilhabe an ihr, "Verantwortung", erklärt Walther. Wie er näher ausführt, nimmt Rüsen die Postmoderne radikal beim Wort, um sie so für seine Zwecke umzudefinieren: eben weil Geschichte nur als Erzählung gestaltet werden könne, müsse der Historiker sie so modellieren, dass sie "für die Erfüllung spezifischer wertgeladener Orientierungsbedürfnisse" tauge.
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