Der Sound der neuen Homophobie klingt nicht böse, sondern nett. Schrecklich nett. Er greift Homosexuelle nicht offensiv an, aber unterstellt ihnen eine gemeinsame Agenda, die in Gestalt einer ominösen Homolobby Sonderrechte durchsetzen möchte.
Man hat ja nichts gegen Homosexuelle, aber …
Die neue Homophobie ist nicht das Problem dumpfer Stammtische. Sie schwelt hinüber zu den Orten des links-intellektuellen Milieus bis hin zu den Grünen. Sie findet sich im Feuilleton, am Theater, im politischen Kabarett. Im Prinzip ist die neue Homophobie natürlich die alte. Neu ist, dass es sich um eine Homosexuellenfeindlichkeit handelt, die auf ihrer Homosexuellenfreundlichkeit beharrt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.04.2018
Rezensent Jan Kedves hat dieses Buch des Berliner Journalisten Johannes Kram, Autor des Grimme Online Award nominierten "Nollendorfblogs" und Mitinitiator des Waldschlösschen-Appells, der die deutschen Medien aufforderte, ihre Berichte genauer auf homophobe Sprache und stereotype Zuschreibungen zu prüfen, mit ebenso viel Gewinn wie schlechter Laune gelesen. Dass zwar kaum jemand heute noch von sich behauptet, homophob zu sein, in diversen Kabarettnummern, Zeitungsartikeln oder Politiker-Statements jedoch nach wie vor Homosexuelle herabgesetzt werden, kann ihm Kram anhand von Texten aus FAZ und Zeit, Stand-up-Pointen des Kabarettisten Dieter Nuhr oder Aussagen von Annegret Kramp-Karrenbauer überzeugend und mit "scharfem Witz" darlegen. Dass der Autor allerdings nie von "Veranlagung" spricht und vergisst das "Nichtbeliebige" an Homosexualität zu betonen, stattdessen ausgerechnet in Zeiten eines rechten Rollbacks Worte wie "Orientierung" und "Identität" bemüht, findet Kedves nicht besonders klug.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…