Klaus Rózsa, Jahrgang 1954, und Wolfgang Seibert, Jahrgang 1947, vereint eine aktivistische, linksradikale und jüdische Biografie, die immer wieder von Zweifeln an und Brüchen mit der Linken geprägt war und es bis heute ist. Aktiv waren sie u.a. in militanten, antiimperialistischen und antizionistischen Zusammenhängen und haben dabei auch Positionen vertreten, die sie heute vehement kritisieren. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten und ausgelöst u.a. durch Aktionen militanter Gruppen distanzierten sie sich von diesen und setzten sich kritisch in Bezug zum Weltbild des Antiimperialismus. Nichtsdestotrotz definieren sie sich heutzutage als linksradikal und aktivistisch und sind in zahlreichen Initiativen aktiv. Ihre politischen Analysen der Gegenwart beruhen auch auf ihren biografischen Erfahrungen mit verschiedenen Formen des Antisemitismus inner- und außerhalb der Linken.
Markus Bauer erfährt aus dem vom Historiker Johannes Spohr mit einer Einführung versehenden Gesprächsband Wissenswertes über das merkwürdige Verhältnis der antiimperialistischen Linken zu Israel. Die beiden linksradikal bewegten Gesprächspartner Wolfgang Seibert und Miklós Klaus Rózsa zeigen laut Rezensent einen blinden Fleck. Erst spät beschäftigten sie sich mit ihrer eigenen jüdischen Herkunft und dem Umgang ihres linksradikalen Umfeldes mit der Frage des Antisemitismus, meint Bauer. Die aktuelle Antizionismus- und Israel-Debatte erhellt der Band für Bauer durch Einblicke in die Naivität der Linken im Umgang mit Israel und der PLO.
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