"Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist die antizionistische Ideologie zu neuem Leben erwacht und weist weit über den Kreis linker Kleingruppen hinaus. Die Existenz von Antisemitismus in der Linken ist heute evident. Angesichts der ausufernden Literatur, die ihn wieder und wieder belegt, kann sein Leugnen heute nur mehr als eine seiner Ausdrucksformen angesehen werden. Im Antizionismus tritt er als eine spezifische Form des Antisemitismus nach Auschwitz auf, der sich aus Mangel an konkreten Hassobjekten gegen den kollektiven Juden, den Staat Israel, richtet. Dass die im Antizionismus angelegten Vernichtungsphantasien nicht Realität geworden sind, verdankt sich einzig und allein der israelischen Staatsgewalt."
Micha Brumlik ist nicht richtig glücklich mit dem Buch des Politikwissenschaftlers und Vordenkers der "Antideutschen" Stephan Grigat. Zwar anerkennt er die Haltung des ideologiekritischen Buches der europäischen "Israelkritik" gegenüber. Die wirklichen Probleme des jüdischen Staates jedoch tastet der Autor laut Rezensent nicht an. Als unpolitisch bezeichnet Brumlik den Band also, weil der Autor bei aller Kritik an der israelischen Linken keine eigenen Vorschläge zur Lösung des Palästinakonflikts anzubieten hat. Genau und nüchtern argumentierend findet Brumlik den Beitrag dennoch, und Grigats historische Kenntnis innerjüdischer Debatten scheint ihm herausragend. Umso enttäuschender für ihn das Resultat.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…