John Boyne

Wasser

Roman
Cover: Wasser
Piper Verlag, München 2025
ISBN 9783492073912
Gebunden, 144 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner. Was, wenn die Schuld bestimmt, wer wir sind? Vanessa Carvin ist auf der Flucht vor ihrem alten Leben. Mit kurz geschorenen Haaren und neuem Namen will sie auf der kleinen Insel vor der irischen Küste noch einmal neu anfangen. Zu Hause in Dublin kannte die Presse über Monate kein anderes Thema als die missbräuchlichen Taten ihres Mannes. Hier, in der Abgeschiedenheit zwischen tosendem Ozean und ihrer einsamen Hütte, drängt sich Vanessa nun die Frage auf, die nur sie beantworten kann - wo liegt die Grenze zwischen Unwissen und Mitschuld? Kompromisslos und doch voller Empathie erzählt John Boyne in "Wasser" von einer Frau und ihrer Suche nach der eigenen Schuld. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2025

"Atemlos" liest sich Rezensent Tobias Döring durch diese Kurzromanreihe von John Boyne. Die nur etwa 150 Seiten langen "weltumgreifenden, verschlungenen" Geschichten spielen etwa in Sydney, Dublin oder London, führen aber immer wieder zurück zu einer kleinen Insel vor der irischen Westküste, lesen wir. Alle Figuren sind mit diesem einsamen Eiland auf die ein oder andere Weise, aber auch untereinander, verbunden, erklärt der Kritiker. So unterschiedlich die Charaktere der Geschichten sind, der erste Teil "Wasser" dreht sich beispielsweise um eine ältere Frau, die auf der Insel ein neues Leben beginnen will, so ist ihnen doch allen etwas gemeinsam: Ihre Schicksale führen allesamt auf "zutiefst verstörende" Verbrechen zurück, meist sexueller Natur, verrät der Kritiker. Da eröffnen sich Döring wirklich brutale "Schreckenshorizonte", was vor allem in dieser Kürze ziemlich intensiv ist. Gut übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner und Maria Hummitzsch entfalten die Geschichten so einen dunklen Sog, dem sich der Kritiker schwer entziehen kann. Allerdings gelingt das nicht immer gleich gut, in den mittleren Bänden sind es Döring der Knalleffekte etwas zu viel. Boynes erweist sich im "Elementenquartett" wieder einmal als Erzähl-Profi, findet Döring. Allerdings kommt dem Kritiker diese Reihe gerade dadurch streckenweise ein wenig zu routiniert vor, eher wie eine erzählerische Fingerübung. Nichtsdestotrotz verbringt er eine spannende Lektüre.  

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.10.2025

Ein stiller, eindringlicher Roman über Schuld und Verdrängung von John Boyne liegt nun in deutscher Übersetzung vor, so das Urteil von Rezensentin Sylvia Staude. Boyne erzählt von einer Frau, deren "Tochter tot. Der Ehemann im Gefängnis. Der Ruf der Familie ruiniert" ist und die sich, von allem losgeschnitten, auf eine windumtoste irische Insel zurückzieht, resümiert die Kritikerin. Dort versucht Willow, "der Wahrheit ein Stück näher zu kommen". Boyne zeichnet sie als "Enablerin", eine, die wegsah, als ihr Mann die Tochter missbrauchte, und die nun mit der eigenen Blindheit ringt. Staude lobt den "nüchternen, ernüchtert zurückblickenden Ton" und den Mut, das Grauen nicht auszusprechen. So wird aus dem Roman über Verlust und Selbsttäuschung ein leises, aber kraftvolles Psychogramm einer Frau, die lernen muss, (wieder) hinzusehen. 

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