Sally Rooney

Schöne Welt, wo bist du

Roman
Cover: Schöne Welt, wo bist du
Claassen Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783546100502
Gebunden, 352 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Zoë Beck. Alice trifft Felix. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er arbeitet entfremdet in einer Lagerhalle. Sie begehren einander, doch können sie einander auch trauen? Alice' beste Freundin Eileen hat eine schmerzvolle Trennung hinter sich und fühlt sich aufs Neue zu Simon hingezogen, mit dem sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Sie lieben sich, doch ist der Versuch der Liebe den möglichen Verlust ihrer Freundschaft wert? Zwischen Dublin und einem kleinen Ort an der irischen Küste entfaltet Sally Rooney eine Geschichte von vier jungen Menschen, die sich nahe sind, die einander verletzen, die sich austauschen: über Sex, über Ungleichheit und was sie mit Beziehungen macht, über die Welt, in der sie leben...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.2021

Rezensentin Susanne Mayer ist der Ansicht, dass Sally Rooneys neuer Roman durchaus auch als Zeitporträt gesehen werden kann. Die 1991 geborene irische Autorin beschreibt darin in auktorialer Erzählform die verschiedenen Lebens- und Liebesmodelle von Alice, Eileen, Felix und Simon, mal in "brillanten Dialogen" und mal in Form von intimen E-Mails zwischen den Frauen, erklärt Mayer. Die Kritik an dem Buch versteht die Rezensentin nicht so ganz, ihr zufolge ist es ein eine interessante Beschreibung der Millenials, die eigentlich tapferer sind, als man ihnen nachsagt, meint Mayer angesichts der "globalen Anerkennungskultur", in der sich die Jungen heute bewegen. Nur das Happy End hat die Kritikerin nicht überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.09.2021

Rezensentin Sigrid Löffler gefällt Sally Rooneys neuer Roman "Schöne Welt, wo bist du?" besser als ihre vorangegangenen Romane. Die 1990 geborene, irische Bestsellerautorin erzählt darin zwar wieder mit ähnlichen selbstzentrierten, orientierungslosen, pessimistischen Personen, von den gleichen Themen, darunter Freundschaft, Liebe und Herzschmerz, doch die Figuren sind älter und der intellektuelle Horizont ist geweitet, erklärt Löffler. Der Plot ist der Rezensentin zufolge zwar sehr simpel aufgebaut und bekommt hauptsächlich durch den Wechsel von Außen- und Innensicht dramaturgischen Reiz, aber die E-Mail-Konversationen der Freundinnen, die an altmodische Briefromane erinnern, empfindet Löffler als Qualitätssprung zu Rooneys vorangegangenen Romanen. Es ist ein Buch, das nachdenkt und zeigt, dass die Autorin neben Geschwätzigkeit auch Tiefgang bieten kann, schließt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.09.2021

Rezensentin Marlen Hobrack kann den Hype um Sally Rooney und ihren dritten, die Alltäglichkeit abbildenden Roman "Schöne Welt, wo bist du" gut verstehen. Die irische Schriftstellerin porträtiert darin Alice und Eileen, zwei Frauen Anfang dreißig, mit allerlei "Beziehungs-Hickhack". Hobracks Ansicht nach würde das Buch den Bechdel-Test nicht bestehen, denn die zwei Frauen kommunizieren nie direkt, sondern in Form von E-Mails, die fast nur von den Männern in ihrem Leben handeln. Nebenbei würden zwar auch Themen wie Kapitalismus, Geschichte und Ästhetik angesprochen, allerdings nicht tiefgründig, was der Rezensentin zufolge jedoch am Formalen läge, denn kurze E-Mails an eine Freundin haben nicht genug Platz für Tiefergehendes. Immerhin kann die Autorin grandios choreografierte Dialoge und Liebesszenen schreiben und auch die Figuren fühlen sich stimmig an, findet die Rezensentin. Und obwohl sie schon hunderte solcher Geschichten gelesen hat, liest sie die Geschichten von Sally Rooney gerne zu Ende, denn diese Literatur ist generationsübergreifend und damit im besten Sinne barrierefrei, schließt Hobrack.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.09.2021

Rezensentin Zelda Biller würde aus Sally Rooney gern eine politische Schriftstellerin machen. Das daraus nichts werden wird, ahnt sie wohl selber. Daher schreibt sie keinen echten Verriss, sondern eine Art Apologie des Millennials. So oberflächlich wie in Rooneys Büchern sind wir nämlich nicht, beteuert Biller, die Autorin schaut nur nicht genau genug hin. Den Hype um Rooney kann sich die Rezensentin nur als Hype um die Autorin selbst erklären, nicht um ihre Texte. Dass die Figuren im neuen Roman erwachsener geworden sind, fällt für sie kaum ins Gewicht. Die aufgemachten Kontraste in den kapitalismuskritischen Dialogen findet Biller allemal flach und die Figuren so langweilig und charakterlos wie kein echter Millennial, den sie kennt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.09.2021

Von wegen oberflächlich. Für Rezensentin Julia Dettke steht spätestens jetzt fest: Sally Rooney versteht ihr Handwerk. Rooneys dritter Roman nämlich bietet außer mit der Liebe und mit ihrem Leben hadernde Protagonisten in ihren 20ern eine doppelte Erzählweise, einmal die Außen-, einmal die Innensicht, erklärt Dettke. Wem das immer noch zu wenig ist, den beglücken vielleicht die vielen literarischen Bezüge im Buch oder die kritische Sicht auf den Literaturbetrieb heute, von der die Rezensentin berichtet. Ist der Hype um den neuen Roman also gerechtfertigt? Für Dettke auf jeden Fall.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2021

Katharina Teutsch möchte Sally Rooney ein wenig in Schutz nehmen vor Kritikern, die der Autorin Geschwätzigkeit vorwerfen. In Rooneys neuem Roman um zwei College-Studentinnen im steten fernmündlichen Austausch und zwei Männer, die in diesen "Frauenkosmos" eindringen, wird zwar wiederum hemmungslos gechattet und gemailt, stellt Teutsch fest, doch die Themen und Probleme der Figuren scheinen der Rezensentin immerhin reifer geworden zu sein. Die Figuren sind nunmehr Ende zwanzig und haben schon etwas erlebt, so Teutsch, was die Beziehungsprobleme auf die Spitze treibt und für einen gewissen "Essentiazismus" sorgt. Viel Spaß hat die Rezensentin außerdem mit Rooneys bissigem Blick auf den Literaturzirkus, den ihr die Schriftstellerinnen-Karriere einer ihrer Protagonistinnen erlaubt. Diese Abrechnung ist für Teutsch ein weiteres Zeichen von Reife.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2021

Miryam Schellbach erkennt den erfrischenden Kniff in Sally Rooneys Roman darin, dass die beiden dauerchattenden Protagonistinnen, zu frühem Erfolg gekommene Studentinnen, einerseits den Verlust der Schönheit und der Liebe beklagen und sich von einem devoten weiblichen Rollenverständnis distanzieren, sich aber andererseits doch verlieben und sich im Bett durchaus gern erniedrigen lassen. Für Schellbach macht dieser Raum für Ambiguität und Inkonsequenz die verhandelten Themen und das Pathos des Stils im Buch erträglich. Am stärksten erscheint ihr der Text, wenn die Leserin nicht weiß, ob sie gerade einen Merkur-Artikel liest oder einen Beitrag in der Bravo.
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