John Burnside

Wie alle anderen

Roman
Cover: Wie alle anderen
Albrecht Knaus Verlag, München 2016
ISBN 9783813507140
Gebunden, 320 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Nach Jahren des Vorsatzes, ja nicht zu werden wie sein Vater, muss sich John Burnside eingestehen, dass er genau den gleichen Weg zur Hölle eingeschlagen hat wie der Mann, den er zutiefst verachtet: Drogen, Alkohol, Lügen und die systematische Weigerung, für sich und sein Handeln Verantwortung zu übernehmen. Ganz unten angekommen beschließt er, ein "bürgerliches" Leben zu führen, zu sein wie alle anderen. Radikal ehrlich erzählt Burnside hier von seinem langen gewundenen Weg in die Normalität.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.11.2016

Auch nach der Lektüre von "Wie alle anderen", dem Fortsetzungsroman von "Lügen über meinen Vater" ringt Rezensent Peter Hamm um Fassung. Denn einmal mehr spürt der Kritiker geradezu körperlich den Qualen nach, die Burnside in seiner Kindheit und Jugend unter dem brutalen, alkoholkranken Vater erlitt, auch wenn der Autor sich in diesem Teil vor allem auf die eigenen selbstzerstörerischen Abgründe konzentriert, erklärt Hamm. Wie Bilder von Francis Bacon erscheint dem Kritiker diese Nebeneinander von "Finsternis und halluzinatorischer Helligkeit", Wahn, Erlösungsfantasien und "bizarrem Humor". Und doch bleibt Burnside für Hamm in erster Linie ein Schriftsteller, dem es vor allem um Erleuchtung geht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.10.2016

Rainer Moritz erfährt aus John Burnsides zweitem autobiografischen Buch, wie der Autor als junger Mann versucht, den Weg aus der Alkoholsucht und der Psychiatrie in ein bürgerliches Leben zu gehen und dabei kläglich scheitert. Das Bewusstsein über die Unabgeschlossenheit der Erinnerung prägt die Szenen des Buches, meint Moritz, der die erzählerische Wucht hier weniger elementar findet als in Burnsides erstem Memoiren-Band "Lügen über meinen Vater". Die wilden Zeitsprünge und die Intensität hinterlassen beim Rezensenten allerdings einen vergleichsweise starken Eindruck. Wie der Autor in dieser schweren Zeit zum Verehrer der Lyrik und zum Lyriker wurde, kann Moritz anhand der Lektüre auch gut nachvollziehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2016

Rezensent Christian Mayer geht mit John Burnside durch die Hölle. Und er macht das mit Freude. Das liegt an Burnsides beinahe heiterer Art, seine allesamt scheiternden Versuche zu beschreiben, ein normales Leben zu führen. Das ist nicht ganz so düster und gewalttätig wie in den Romanen, meint Mayer. Doch auch Burnsides Erinnerungsbuch hat es laut Rezensent faustdick hinter den Buchdeckeln. Die Psychiatriehölle, die der Autor durchlebt, sein Kampf mit den Dämonen, dann die Einsicht, dass es kein Entkommen gibt, all das schildert Burnside für Mayer mit Meisterschaft, da er die Bruchstücke dieser Zeit "wie ein Archäologe" zusammenfügt. Nebenher, erklärt Mayer, entsteht auch ein Bild der Thatcher-Jahre.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2016

Angela Schader liest den zweiten Band von John Burnsides Autobiografie mit Gewinn. Wie der Autor, der im ersten Band die Verheerungen seiner Seele durch das Elternhaus schildert, hier versucht, dem eigenen Ich in die Normalität zu entkommen, scheint ihr beeindruckend. Dass Suff, Drogen und Exzess das Friedvolle immer wieder einholen, gibt Schader nicht zuletzt Hinweise auf das Verständnis des fiktiven Werks des Autors, seine Neigung zum Unheimlichen und zur Transzendenz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2016

Tobias Döring hat den zweiten Band von John Burnsides Memoiren in einer Nacht verschlungen. Bezwingend findet er den literarischen Erfahungsbericht über die Schizophrenie des Autors und das Ausbrechen aus der Erkrankung wegen der ständig drohenden Wiederkehr des Wahns in den bitter erkämpften Alltag. Außerdem scheint Döring das nicht lineare "strudelförmige" Erzählen die Zusammenhänge zwischen väterlicher Gewalt und ihren Auswirkungen (Alkoholexzesse, Drogenkonsum, Psychosen) auch besser abzubilden als es die Stringenz des ersten Bandes vermocht hätte. Das im Original 2010 erschienene Buch erscheint ihm nicht als Fortsetzung des Vorgängers, sondern als Übersetzung.
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