Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel und mit einem Nachwort von T.C. Boyle. Diese Stories sind seit meiner ehrenhaften Entlassung aus der Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden. Manchmal wirken sie wie Geschichten aus einer längst untergegangenen Welt, als New York noch eine vom flirrenden Licht zweier Flüsse durchwirkte Stadt war, als man aus dem Radio das Benny-Goodman-Quartett hörte und als so gut wie jeder einen Hut trug. Hier treten die letzten aus jener Generation von Kettenrauchern auf, die morgens alle Welt mit ihrem Gehuste weckten, die sich auf Cocktailpartys regelmäßig zudröhnten, sich voller Wehmut nach Liebe und Glück sehnten und deren Götter so alt waren wie Ihre (wer immer Sie sein mögen) und meine Götter. (John Cheever)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2010
So sieht eine Lektüreempfehlung aus. Dass wir zwar Carver und Hemingway kennen, aber John Cheever nicht, ahnt Heinrich Detering zwar, aber glauben kann er es nicht. Schließlich findet Detering bei Cheever genau die richtige Mischung aus urbaner Eleganz, Ironie und pointierter Erzählweise, die man bei "klassischen" Short Stories erwarten darf. 27 davon aus den Jahren 1946-1978 versammelt der Band und sogar die Nebenwerke sind lesenswert, beteuert Detering. Wie Short Cuts in Schwarzweiß flimmern Momente einer "suburban" Lebenswelt, der Ostküsten-Mittelklasse, an Deterings Augen vorüber, spartanisch entworfen, handlungsbezogen und klar, dass es beißt. Die sehr männlichen Helden verlieren dabei schon mal nach "mythischem Muster" die Hosen. Wie lässig der Autor hier zwischen Wahn und Wirklichkeit wechselt, verschlägt dem Rezensenten den Atem. Wer Cheever nicht kennt, den scheucht Detering in die nächste Buchhandlung, sich dieses Buch unter den Arm zu klemmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2009
Ach, wie schön! Das Leben des gehobenen Mittelstands an der Ostküste der USA, wie es der Autor in seinen Stories aus den Vierzigern bis Siebzigern beschreibt, lullt den Rezensenten richtig ein. Wie trügerisch die Idylle ist, merkt Christoph Haas allerdings schnell. Plötzlich ist da das Ungeheuerliche, der Statusverlust, das Böse, von John Cheever gern auch mal mit Thriller- oder Horrorelementen und stets, wie Haas versichert, mit leichter Hand in Szene gesetzt. Weil der Autor in seinen frühen Texten (die hier chronologisch am Anfang stehen) besser ist, rät Haas uns, das Buch von hinten nach vorn zu lesen, so wächst das Vergnügen.
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