Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke. 1959, sechs Jahre nach dem Ende des Korea-Kriegs, kommt ein junger amerikanischer Soldat in einer entlegenen Militärbasis auf Grönland einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur. Wie schon in "Rausch" entfaltet John Griesemer abermals eine packende Geschichte vor einem historischen Hintergrund: In der Tradition von "MASH" und "Catch 22" entlarvt "Niemand denkt an Grönland" den Wahnsinn des Krieges - subversiv und unerbittlich.
Wenn man sich von John Griesemers neuem Roman nicht viel verspricht und ihn nicht allzu sehr durchleuchtet, meint Anne Kraume, dann kann man sich damit gut unterhalten. Da sie als Rezensentin jedoch nicht um das Durchleuchten herum kommt, wird schnell klar, warum ihr einziges Kompliment letztlich ein so zweifelhaftes bleibt. Der Autor siedelt seine Geschichte in einem geheimen Lager auf Grönland an, auf dem im Koreakrieg verstümmelte US-Soldaten untergebracht sind, und das nun mitsamt allen Insassen vom Pentagon vernichtet werden soll. Bester Stoff also für einen Agententhriller. Allerdings spannt der Protagonist, ein Presseoffizier, seinem düsteren Vorgesetzten die Frau aus - Liebesroman also auch noch. Zudem hat das Buch einiges von einem historischen Roman, was den Koreakrieg angeht, ist außerdem eine Art Abenteuerroman und, damit nicht genug, auch allgemeines Antikriegsplädoyer. So viele Themen verträgt keine noch so gute Geschichte, meint die Rezensentin, da von allem nur ein bisschen vorhanden sei, nichts aber ganz und nichts tiefer gehend. Der Roman lese sich zwar "glatt und flüssig", bleibe aber vollkommen banal - hervorragender Filmstoff für einen "Hollywoodschinken", was das Buch nach Aussage des Verlages auch werden solle.
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