Eine Fahrt Richtung Vergangenheit, nach Bordighera an der italienischen Riviera, dahin, wo der Erzähler in Gedanken schon so oft gewesen ist, ins "Hotel Angst" - benannt nach seinem Besitzer Adolf Angst, ein Luxushotel der Jahrhundertwende, eine Titanic unter den mondänen Prachthotels dieser Welt. "Hotel Angst" erzählt die Geschichte eines magischen Ortes, bewohnt von seiner Vergangenheit und von der Erinnerung an den Vater, der davon träumt, das "Hotel Angst" wieder zu eröffnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2006
Ausgesprochen gelungen findet Rezensent Samuel Moser diese Novelle John von Düffels. Sie sei "sprachlich unprätenziös" und auch inhaltlich nicht sonderlich spektakulär. Trotzdem löste die Geschichte bei Moser Irritationen aus, was man als unbedingtes Qualitätsmerkmal werten darf. Düffel spinnt seine Geschichte Moser zufolge um die legendäre Ruine des Belle-Epoque-Grand-Hotels "Angst" im italienischen Bordighera. Im Zentrum stehen Mosers Beschreibung zufolge der Vater des Erzählers und dessen Pläne, einen Roman zu schreiben und das Hotel wieder aufzubauen, beziehungsweise die Versuche des Sohns, nach dem Tod dieses Vaters jene Pläne zu rekonstruieren. Hier kommt für Moser nun die zweite Ebene ins Spiel, der die gerade mal hundertseitige Erzählung seine irritierende Wirkung verdankt: dass nämlich der Sohn entdeckt, dass sein Vater weder einen Roman schreiben, noch das Hotel aufbauen sondern lediglich lediglich seine Träume davor schützen wollte, schnöde Wirklichkeit zu werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.06.2006
Doppelt schade, seufzt Rezensentin Kristina Maidt-Zinke, erstens sei der Romantitel jetzt vergeben und zweitens die eigentlich interessante Geschichte zu uninspiriert geschrieben. Möglicherweise, mutmaßt die Rezensentin, sei der übermächtige Vater des Erzählers, zugleich der Vater des Autors John von Düffel, daran schuld, der das Hotel Angst als literarischen Stoff in den 70er Jahren entdeckt hätte. Wenn der Autor nun von seiner Recherche-Reise nach dem Tod des Vaters berichte und dabei den Ich-Erzähler durch einen Du-Erzähler ersetzt, wirkt dies aus Sicht der Rezensentin einfach "unbeholfen". Auch werden die vielen interessanten historischen Begebenheiten um das Hotel Angst im Kopf des Rezensenten nicht so recht lebendig. Letztlich, so die Rezensentin, könne der Erzähler seinem Vater und seiner "Obsession" einfach nicht das Wasser reichen.
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