"Stresemanns Tod war der Anfang vom Ende", schreibt Sebastian Haffner in seinen Erinnerungen. Ein kalter Schreck habe Deutschland im Herbst 1929 erfasst angesichts der Nachricht vom Ableben des langjährigen Außenministers und Friedensnobelpreisträgers. Obwohl der überzeugte Monarchist sich nach der deutschen Niederlage 1918 nur schweren Herzens zum Vernunftrepublikaner wandelte, steht Gustav Stresemann wie kein zweiter für das Schicksal der Weimarer Republik. National und liberal zugleich trat er ein für eine Politik der Verständigung mit den europäischen Nachbarn und führte Deutschland in den Völkerbund. Jonathan Wright zeichnet Stresemanns Leben und Karriere mit allen Kontinuitäten und Brüchen, Erfolgen und Niederlagen nach und widmet sich schließlich auch der Frage, ob Stresemann, wäre er Anfang der dreißiger Jahre noch am Leben gewesen, Hitler und das Dritte Reich hätte verhindern können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.08.2006
Wie schon andere Historiker vor ihm, interessiert sich Jonathan Wright in seiner Biografie von Gustav Stresemann für die zwei Seiten des Politikers, der einerseits als rückwärtsgewandter "Bluthund" beschimpft und andererseits als engagierter Demokrat gewürdigt wurde, konstatiert Ralf Hanselle. Er attestiert dem britischen Autor gründliche Recherchearbeit und lobt die akribische Quellenarbeit. Bei Wright wird Stresemann als verbindendes wie auch störendes Element der sich entwickelnden Demokratie beschrieben, informiert der Rezensent, der die "brillanten" Analysen des Autors zu schätzen weiß. Die Ansicht, Stresemann habe als Förderer des Völkerbundes den Grundstein zur Europäischen Union gelegt, entlarvt Wright als Legende, wie Hanselle zustimmend mitteilt, der sich insgesamt mit dieser Biografie sehr zufrieden zeigt.
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