Roswitha Quadflieg, Will Quadflieg

"Ich will lieber schweigen"

Das Tagebuch eines Schauspielers aus den Jahren 1945/46 und die Fragen seiner Tochter
Cover: "Ich will lieber schweigen"
Kanon Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783985681716
Gebunden, 298 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

"Was also hast du im Krieg gemacht?" Will Quadflieg war ein Star, sein Aufstieg begann im Dritten Reich. Jahrzehnte nach seinem Tod findet seine Tochter Roswitha sein Tagebuch, begonnen kurz vor Ende des 2. Weltkriegs. Es wird Zeit für ein ernstes Gespräch, das es zu Lebzeiten nie gegeben hat. März 1945. Die Rote Armee rückt täglich näher an Berlin heran. Angst und Verzweiflung grassieren unter der Zivilbevölkerung. Gibt es eine Möglichkeit, zu entkommen? Die Eltern von Roswitha Quadflieg entschließen sich zur Trennung. Er, einer der berühmtesten Schauspieler der Zeit, fängt ein Tagebuch für seine Frau an. Als ihre Mutter stirbt, findet Roswitha Quadflieg das Tagebuch zusammen mit zahlreichen Briefen des Vaters. Diese Dokumente zeugen nicht nur von Flucht, Angst, Liebe und der Behauptung einer richtigen deutschen Kultur. Sondern auch von Schuld, falscher Sprache, Lüge und Selbstlüge. Roswitha Quadflieg rekonstruiert 104 Tage im Leben ihres Vaters und konfrontiert ihn posthum damit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2025

Rezensent Hans Albrecht Koch bespricht interessiert dieses Buch, in dem sich Roswitha Quadflieg mit ihrem Vater Will auseinandersetzt. Der war Schauspieler und insbesondere auch in der NS-Zeit sehr erfolgreich und er schrieb zwischen März 1945 und September 1946 ein Tagebuch, vorgeblich für seine Frau Benita, die Mutter Roswithas. Allerdings, erläutert Koch, schreibt er letztlich immer nur über sich selbst, sogar dann, wenn er von Sehnsucht schreibt. Nebenbei erfährt der Rezensent aus diesem Buch außerdem, dass Quadflieg als Schauspieler in Hitlerdeutschland bis zum Schluss Privilegien genoss. Neben dem Tagebuch enthält dieser Band auch die Gedanken der Tochter, die teils in der zweiten Person notiert sind, aber nicht von Nähe, sondern von Fremdheit künden, wie der Kritiker es schildert. Letztlich ist das ein Buch über einen hoffnungslosen Narzissten, der gar nicht wahrnimmt, dass andere Menschen neben ihm existieren, so das Fazit dieser weitgehend wertungsfreien Kritik.

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