Joschka Fischer

Wer sind wir?

Deutschland auf der Suche nach seiner Identität
Cover: Wer sind wir?
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026
ISBN 9783462015850
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Erhöhung des Verteidigungsetats? Wiedereinführung der Wehrpflicht? Europäische atomare Abschreckung? Eine Tiefenanalyse deutscher Politik in Zeiten globaler Erschütterung.Nach dem ersten Viertel des 21. Jahrhunderts ist es unübersehbar - die Welt durchläuft umstürzende geopolitische, technologische und wirtschaftliche Transformationen: die verschärfte Rivalität großer Weltmächte, die Revolution der künstlichen Intelligenz, der Aufstieg des globalen Südens. Was bedeutet das für das heutige Deutschland, für das Land in der Mitte Europas, immer noch die drittstärkste Industrienation weltweit, aufgrund seiner zerborstenen Geschichte aber postnational und als militärische Macht fast unsichtbar? Kann dies angesichts neuer militärischer Bedrohungen für Europa, angesichts des Rückzugs der USA als Garantiemacht und der Gefahr, technologisch und wirtschaftlich den Anschluss zu verlieren, so bleiben? Das Geheimnis des Wiederaufstiegs Deutschlands nach 1945 war das Vertrauen, das die ehemaligen Kriegsgegner dem Land im Zentrum Europas entgegenbrachten. Der Ex-Außenminister Joschka Fischer zeigt, was es heute bedeutet, diesem Vertrauen weiterhin gerecht zu werden und sich zugleich mutig den völlig neuen Bedrohungen des 21. Jahrhunderts zu stellen - militärisch, technologisch und politisch.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.05.2026

Wenig originell und mit vielen blinden Flecken: So urteilt Rezensent Marc Reichwein über Joschka Fischers neues Buch, das laut Titel von der Identität der Deutschen handelt. Tatsächlich jedoch entwirft Fischer vor allem eine Geschichte der Westintegration Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und warnt davor, das Projekt der europäischen Einigung zugunsten einer Renationalisierung zu verraten. Reichwein merkt dazu an, dass Fischer die Fehler, die proeuropäische Politiker zum Beispiel in Sachen Wirtschafts-  und Zuwanderungspolitik gemacht haben ignoriert. Auch, fährt die Kritik fort, habe Fischer kein Gespür für die Bedeutung, die Nationalstaaten immer noch für die Menschen haben. Insofern ist Fischers Buch für Reichwein höchstens als Symptom einer abgehobenen Politikerkaste interessant.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.05.2026

Rezensent Daniel Brössler liest Joschka Fischers politische Identitätssuche mit starken Verbeugungen vor Adenauer und Brandt mit Neugier. Vielverprechend erscheint ihm Fischers Suche zunächst. Bald stellt er allerdings fest, dass Fischer wehmütig klagend, entsetzt und am Ende ziemlich ratlos dasteht, wie andere auch. Dass der ehemalige Vizekanzler den Verlust der Westbindung kaum wahrhaben will und seine Ratschläge für Europa eher "wohlfeil" ausfallen, enttäuscht Brössler sichtlich. Besser gefallen hat ihm Fischers Nachzeichnung der Republikwerdung, zugleich ein wesentlicher Teil des Buches, erklärt er.

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