Joscijka Abels

Julianische Tage im Schatten der Piazza

Kaleidoskop der Stimmen und Bilder
Cover: Julianische Tage im Schatten der Piazza
Theater der Zeit, Berlin 2025
ISBN 9783957495921
Gebunden, 736 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Mit 390 kunsthistorischen Abbildungen und Illustrationen. Joscijka Abels' historischer Roman, setzt sich mit zentralen Fragen der menschlichen Existenz auseinander. Durch den Dialog der Romanfiguren enthüllt sich die performative Natur des Lebens, in der die Grenzen zwischen Realität und Inszenierung im "teatro mundi" (Welttheater) verschwimmen. Es ist im Jahre 1464, als Bernardo Rossellino, aus einer Zeitschleife zurückkehrend, sich in der Bibliothek seines von ihm erbauten Palazzo Piccolomini in Pienza wiederfindet. Wer er ist, weiß er nicht mehr. Und so beginnt für ihn die Suche nach seiner Identität. Wer war jener Gamberelli, von dem alle sprachen? Bernardo begegnet einer Abendgesellschaft, darunter Papst Pius II., vormals Eneas Silvio Piccolomini, dem Philosophen und Kleriker Cusanus, auch bekannt als Nikolaus von Kues, dem vielseitigen Architekten Leon Battista Alberti, seinem Tugendfreund Filarete und dem Mathematiker Paolo dal Pozzo Toscanelli. Sie versammeln sich jeden Abend um ein in der Mitte des Bibliotheksaales eingelassenes Spielfeld und widmen sich mit einer runden, ausgehöhlten Kugel dem Globusspiel. Es ist das Weisheitsspiel des Cusanus, in dem es gelingen soll, gleichsam durch einen Spiegel und im Rätselbild auf die Möglichkeiten in dieser Welt und in uns zu sehen.
Was ist das Geheimnis des Enea Silvio Piccolomini? Warum hatte man die von Bernardo gebaute Erinnerungsarchitektur, das von diesem Papst gewünschte Memoriale an seinem Heimatort, so geändert? Wieso hatte sich über die cusanische Reform des julianischen Kalenders nicht nur ein Schleier, sondern der Mantel des Vergessens gelegt? Die abendlichen Dialoge kreisen um nahezu alle Grundfragen, die aus der Renaissance überliefert sind. Die Runde öffnet sich den Quellen der griechisch-römischen Antike und reflektiert über die Beziehungen zwischen Architektur, Kunst und Wissenschaft, über die Wirklichkeit und Möglichkeit in der sichtbaren Malkunst, über den Ursprung der Welt, das Phänomen der Zeit und das Nebeneinander der Religionen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2026

Ziemlich begeistert ist Rezensent Andreas Rossmann von diesem Mammutwerk, in dem jede Menge Recherche und Nachdenken steckt. Joscijka Abels hat ein Buch geschrieben, das zwischen historischem Roman und wissenschaftlicher Arbeit angesiedelt ist und außerdem noch als Bilderbuch fungiert - fast 400 Gemälde, Fotos, Pläne und so weiter sind als Illustrationen dem Text beigefügt. Im Zentrum der Handlung, die während jener zehn Tage spielt, die 1582 der Umstellung auf den gregorianischen Kalender zum Opfer fielen, steht der Architekt Bernardo Rossellino. Der hatte einst den Palazzo Piccolomini in Corsignano bei Siena entworfen, jetzt trifft er dort auf diverse Geistesgrößen wie etwa den Theologen Nikolaus von Kues oder einen päpstlichen Bibliothekar. Diese Begegnungen und die Gespräche, die die Figuren miteinander führen, sind fiktiv, und die Gedankenwelten, die sie eröffnen, transzendieren Raum und Zeit. Rossmann hat viel Freude daran, wie Abels Religion, Kunstgeschichte und Philosophie auf diese Weise miteinander in Beziehung setzt. Sehr viel erfährt man von diesem äußerst anspruchsvollen, liebevoll gestalteten Buch über die Welt der Frührenaissance, schließt die durchweg positive Besprechung.

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