Israelis und Palästinenser leben in einer brutalen Nachbarschaft. Keine Seite kann der existenziellen Bedrohung durch die andere entfliehen. Dieser Konflikt wird erst entschärft, wenn beide Parteien sich nicht nur als Opfer fühlen, sondern gemeinsam Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2025
Rezensent Jörg Später liest das "sehr persönliche" Buch des israelischen Historikers und Psychologen Jose Brunner mit Gewinn. Auch wenn der Blick auf die "Psycho-Logiken" und Emotionen des israelisch-palästinensischen Konflikts für Später nicht ausreicht, um die Dynamiken des Konflikts zu erklären, trifft der Autor für ihn doch einen Punkt, wenn er fordert, alte Traumata zu überwinden, um aus der Spirale der Gewalt herauszugelangen. Später gibt zwar zu Bedenken, dass es möglicherweise keine kollektive Psyche gibt und bei Brunner das Thema politisierte Religion nicht recht ins Bild kommt, Brunners Ansatz aber findet er dennoch berechtigt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.06.2025
José Brunner untersucht laut Rezensent René Wildangel die diversen Emotionen, die den Nahostkonflikt auf beiden Seiten befeuern. Ausgangspunkt ist der 7. Oktober, den Brunner, Nachfahre von Holocaustüberlebenden, aus einer persönlichen Perspektive aufarbeitet. Er interessiert sich laut Wildangel für die Traumata beider Seiten - Shoah beziehungsweise Nakba -, legt aber Wert darauf, dass es ein Ungleichgewicht gibt, da Israelis auch nach dem 7. Oktober die Möglichkeit hatten, auf Hilfsangebote zurückzugreifen, während das Leid der Palästinenser sich aufgrund der fortgesetzten Besatzung fortschreibt und kaum Hilfsnetzwerke vorhanden sind. Schuld an all dem haben, so Brunner, vor allem die israelische Rechte und auch der Terror der Hamas. Was also tun? Brunner setzt Wildangel zufolge weniger auf eine Neuauflage einstmals gescheiterter Friedenspläne denn darauf, dass sich das Bewusstsein der Beteiligten wandelt und dass auf beiden Seiten auf Maximalforderungen verzichtet wird. Das mag nicht realistisch sein derzeit, schließt Wildangel, aber die Schuld daran trägt die Gegenwart, nicht dieses lesenswerte Buch.
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