Berggipfelattentate, Gletscherunfälle oder Morde nach der Fibonacci-Folge? Werner Sellemond ist kein einfacher Mann. Zwischen Wandern am Kronplatz statt Nussbananeneis, dem mythischen Volk der Fanes und turbulenten Liebesdramen stolpert er durch das Südtirol der 1990er-Jahre in die nicht minder abstruse Gegenwart. Diese ist geprägt von der Heimsuchung durch Touristen, die zuhauf in den Bergen verschwinden. Waren die kuriosen Unfälle auf dem Schneebigen Nock oder dem Schwarzenstein etwa doch Morde? Und was geschah auf dem Hornspitz?
Toll, zumindest wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen: Das ist das Urteil, das Rezensent Dirk Fuhrig in seiner Besprechung über Josef Oberhollenzers neuen Südtirolroman fällt. Es geht diesmal weniger, wie in älteren Werken des Autors, um Historisches wie die Abtrennung Südtirols von Österreich, sondern um Übertourismus - tatsächlich werden im Laufe des Buches Touristen von Berggipfeln herunter geschossen. Fuhrig stellt klar, dass in dem Werk, das sich weitgehend als Zwiegespräch zwischen der Hauptfigur Werner Sellermond und einem als "F." abgekürzten Erzähler entfaltet, insgesamt keineswegs die Handlung im Vordergrund steht. Im Zentrum steht vielmehr Oberhollenzers eigenwillige Schreibpraxis, die unter anderem durch Endlosabsätze, Adjektivketten und durchgehende Kleinschreibung charakterisiert ist, warnt uns der Rezensent vor. Zudem ist die Hälfte des Buches gar nicht der Handlung, sondern einem Anmerkungsapparat gewidmet, der jeweils die linke Hälfte einer Doppelseite einnimmt. Der Rezensent kann verstehen, dass das auf manche abschreckend wirken mag, ist jedoch der Ansicht: Literatur muss nicht immer ein freundlicher Sonntagsspaziergang sein, manchmal darf sie einen auch fordern, insbesondere, wenn sie es auf derart wuchtige und gekonnte Art tut.
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