Josef Winkler

Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot

Cover: Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518125564
Kartoniert, 125 Seiten, 9,00 EUR

Klappentext

"Reisen, um heimatlos zu werden", schreibt Henri Michaux. Der Österreicher Josef Winkler ist während der Niederschrift seiner Romane über sein Heimatland Kärnten immer wieder nach Italien gereist, später nach Indien und dann auch nach Mexiko, im Gepäck die Erzählungen anderer Autoren, aus denen er kurze Zitate als Intarsien in seine poetologischen Reportagen einsetzt: von Reisen, die ihn zu seiner eigenen Überraschung mit Variationen eines Bildes aus der Kindheit - ein am Straßenrand liegendes, bereits mit Packpapier abgedecktes, überfahrenes Kind - heimholen. Zuletzt in Klagenfurt, wo bei Straßenarbeiten zur Vorbereitung der Fußballeuropameisterschaft 2008 ein Kind überfahren wird und stirbt. Erzählung für Erzählung, Todesfall für Todesfall rückt Winkler seiner Heimatlosigkeit näher.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2009

So "beknackt" wie dem Rezensenten der Titel des neuen Buches von Josef Winkler vorkommt, so angenervt zeigt sich Oliver Jungen auch von Winklers Thanatos-Extremismus "Büchnerpreis hin oder her". Die vorliegenden, von Jungen als mit Erinnerungen kurzgeschlossene Lektüren (von Döblin bis Zschorsch) begriffenen Miniaturen, machen da keine Ausnahme. Kann Jungen dem Autor eine "gewisse Poetizität" auch nicht absprechen, wenn er den Tod in seinen vielfältigen Erscheinungsformen ausbreitet, klingt es ihm doch wie die Litanei eines auf dem "Memento-mori-Trip Hängengebliebenen" im Ohr. Vielleicht, gibt der Rezensent zu bedenken, ist der Tod ja doch das Banalste überhaupt und taugt einfach nicht als Kraftzentrum eines künstlerischen Gesamtwerkes. Vielleicht, wenn aus seiner Behandlung "nie etwas folgt", wird daraus, trotz aller "intellektuellen Absicherung" eine Art "Boulevardvoyeurismus", mutmaßt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.12.2008

Beeindruckt zeigt sich Rezensentin Katrin Hillgruber von diesen Reiseerzählungen Josef Winklers, der in diesem Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt wurde. Wie in den anderen Erzählungen und Romanen des Autors sieht sie auch hier den Tod als zentrales Motiv. Sie konstatiert, Winkler habe kein Problem damit, auf die Rolle als "Chronist internationaler Todesfälle und Todeskulte" festgelegt zu werden. Schließlich sei ihm das Schreiben eine "existenzielle Notwendigkeit". Der "metaphorische Überschwang" und die "immer wieder aufbrechende Aggression" in Winklers Texten ist für Hillgruber auch in vorliegenden Erzählungen zu spüren. Dabei attestiert sie dem Autor, den sie als "überragenden" und "phantasiebegabten Stilisten" lobt, im Lauf der Jahre dem Thema Tod eine "gelassene Komik" abgewonnen zu haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.12.2008

Das dem diesjährigen Büchner-Preisträger Josef Winkler zuteil gewordene Lob kann Rezensent Burkhardt Müller anlässlich dieses Buches nicht wiederholen. Er sieht in den elf offenbar autobiografischen Einzeltexten ein "offensichtliches Nebenwerk", das neben Reiseerzählungen großenteils aus "isolierten Reminiszenzen eines österreichischen Bauernlebens" bestehe. Sehr breiten Raum nehmen allerdings nach Meinung des Rezensenten auch Äußerungen der Kinder des Autors sowie ausführliche literarische Zitate ein, die, wie der Rezensent meint, Winklers eigenes Werk in den Schatten zu stellen drohen. Die behauptete "Lebenswichtigkeit" der geschilderten Erlebnisse und Lektüren kann Müller nicht nachvollziehen und sieht stattdessen eher unwesentliche Beobachtungen mit einem "Bedeutungs- und Beziehungswahn" überfrachtet. Außerdem findet er die Sätze im Verhältnis zur "Knappheit der Texte insgesamt" zu lang.
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