Joseph Croitoru

Der Märtyrer als Waffe

Die historischen Wurzeln des Selbstmordattentats
Cover: Der Märtyrer als Waffe
Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN 9783446203716
Gebunden, 300 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Selbstmordanschläge zählen zu den brutalsten Mitteln des modernen Krieges. Croitoru erklärt zum ersten Mal umfassend die geschichtlichen und kulturellen Hintergründe des Selbstmordattentats: von den Kamikaze-Einsätzen der Japaner bis zu den Attentätern von New York. Er zeigt, wie Terrororganisationen Menschen fanatisieren und ersetzt Legenden und Vermutungen durch historische Tatsachen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Joseph Croitorus Buch "Der Märtyrer als Waffe", das den Hintergründen von Selbstmordanschlägen nachgeht, hat Rezensent Daniel Hildebrand rundum überzeugt. Croitoru analysiere die Wahnvorstellungen radikalisierter Araber, die Instrumentalisierung von Religion und die Perfektionierung des Märtyrerkults durch islamische Organisationen. Er zeige zudem, wie sehr die Urheber von Selbstmordanschlägen die Wirkung von Fernsehbildern mit ins Kalkül ziehen. Hildebrand bescheinigt dem Journalisten und Nahostexperten Croitoru ein "stupendes Wissen" in Bezug auf sein Thema. Dass Croitoru bei seiner Darstellung auf psychologische Kategorisierungen verzichtet, lobt Hildebrand als wohl bedacht, zumal bei Croitoru deutlich werde, wie sehr die Hingabebereitschaft des Individuums ein entsprechendes Umfeld erfordert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2003

Wolfgang Sofsky hat an Joseph Croitorus Genealogie des Terrorselbstmords nichts auszusetzen. Den Autor preist er als "intimen Kenner" des Nahen Ostens und darüber hinaus "detailgenauen Berichterstatter". Wie das Selbstmordattentat in Ostasien geboren und in Palästina weiterentwickelt wurde, schildere Croitoru anschaulich und erschöpfend. Einen Kritikpunkt hat der Rezensent allerdings anzumerken. Ihm missfällt, dass nicht ausreichend zwischen den in Japan entstandenen militärischen Selbstmordkommandos, den Attentätern des Nahen Ostens oder etwa Khomeinis Kindersoldaten unterschieden werde, die zwar alle wissend in den Tod gingen, aber aus unterschiedlichen Motiven und Situationen heraus handelten. Insgesamt gebe die Studie aber "Aufschluss über ein wichtiges Kapitel der Zeitgeschichte".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Der Journalist Joseph Croitoru liefert mit diesem Buch eine sehr informative "Chronik des Selbstmordattentats", stellt Rezensentin Julia Encke fest. Dabei schlage er den Bogen zwischen den "ersten Todesflügen japanischer Kamikaze-Piloten" im Zweiten Weltkrieg bis zu den Terroranschlägen des 11. Septembers. Croitoru geizt nicht mit Toten, doch lässt er sich nie zur blutrünstigen Effekthascherei hinreißen, wie Encke betont, sondern schreibt, "gemessen an der Dramatik seines Gegenstands" in einem "angenehm unaufgeregten" Tonfall. Die "historischen Wurzeln des Selbstmordattentats" sehe Croitoru in Japan, in der politisch-militärischen "Instrumentalisierung" des Samurai-Ehrenkodex und der "Kaisertreue" zur Bekämpfung des amerikanischen Angreifers. Was jedoch anfangs, so Encke, nur auf militärische Ziele gerichtet war, nahm später, im Zuge des palästinensischen Befreiungskampfes, auch Zivilisten ins Visier. Nicht verändert habe sich allerdings, und dies sei die grundlegende Konstante des Selbstmordattentats, die "Asymmetrie" zweier ungleicher Opponenten, die den Schwächeren aus Ohnmacht in den "verklärten" Heldentod treibe.

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