Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach. Der junge New Yorker Autor Joshua Cohen zeigt, wie radikal das Internet unseren Umgang mit Sex und Arbeit, Familienleben und Zukunftsplänen, unsere Art zu schreiben und unsere gesamte Identität verändert hat. Die "Vier neuen Nachrichten" handeln von einem halbherzigen Drogendealer, der durch einen Blog im Internet bloßgestellt und in einen Strudel eskalierender Ereignisse gezogen wird; sie führen die Ödnis heutiger McJobs und deren platte Sprache ad absurdum; sie karikieren ein Schreibseminar an einer Provinzuni, das unter Anleitung eines gescheiterten New Yorker Professors zu einer grotesken Übung wird. Die Nachricht "Gesendet" ist eine unheimliche Parabel über Internetpornografie, osteuropäische Mädchen und die Schattenseiten des vermeintlichen Fortschritts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2014
Am Rand des Hermetischen sieht sich Rezensent Jan Wiele mit den Geschichten Joshua Cohens. Macht aber nichts, erklärt der Rezensent, solange der Autor so nette metamoderne Storys a la Pynchon oder Coover schreibt, wie die ebenfalls im Band enthaltene "Emission". Hier bleibt die poetologische Reflexion in Grenzen, meint Wiele, der sich also mehr auf Cohens Wortwitz und Satire konzentrieren kann. Darüber merkt er erst spät, wie ernst die Geschichte um die Gnadenlosigkeit des Internets und seine alles andere als sozialen Netzwerke eigentlich ist. Dankbar zeigt sich Wiele übrigens auch für die Übersetzung durch Ulrich Blumenbach, der den Slang der Geschichten gut rüberbringt, wie der Rezensent versichert.
Herausragend angeödet ist Frank Schäfer von diesen, für seinen Geschmack doch deutlich zu umfangreich geratenen Kurzgeschichten des jungen Autors Joshua Cohen, der von seinen Verlegern als nächstes großes literarisches Wunder und mindestens als Nachfolger von David Foster Wallace lanciert wird. Dass es in allen vier Geschichten um zwar ambitionierte, doch scheiternde Schriftsteller geht, denen Cohen manche als solche klar erkennbare Faselei in den Mund legt und sie dabei noch ordentlich runterputzt, greift der Kritiker dankbar für einige gallige Spitzen auf, lässt sich diesen Storys doch ohne weiteres genauso begegnen: Sie leiden nicht nur an Erkläritis, sondern auch an maßloser Selbstberauschtheit und einer überquellenden Detailfülle, beschwert sich der Rezensent, dem bei der gequält bemühten Witzigkeit der Texte zudem noch gründlich das Lachen vergangen ist: "Formaler Übereifer und poetologische Prinzipienreiterei", lautet sein verärgerter Befund über diese Literatenhuberei.
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