Joshua Groß (Hg.), Johannes Hertwig (Hg.), Andy Kassier (Hg.)

Mindstate Malibu

Kritik ist auch nur eine Form von Eskapismus
Cover: Mindstate Malibu
Starfruit Publications, Nürnberg 2018
ISBN 9783922895336
Paperback, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

In Zusammenarbeit mit dem Institut für moderne Kunst Nürnberg. Mit 81 Farb- und 22 s/w-Abbildungen. Ist Affirmation auch Kritik? Wie viel Spaß braucht die Revolution? Verspricht der Detox Erlösung? Die Anthologie "Mindstate Malibu" sucht nach Antworten und versammelt dafür Künstlerinnen, Satiriker, Web-Artists, Twitter-Genies, Schriftstellerinnen, Essayisten und Wissenschaftler, für die das Internet Biotop und Blaupause in einem ist. Eine neue Avantgarde, die kulturelle Festgefahrenheit und neoliberalen Optimierungszwang aus sich selbst heraus entlarvt, die affirmativ und übersteuernd die Gegenwart widerspiegelt und gleichzeitig eine allergische Reaktion auf dieselbe ist. Die neue Zugriffe auf das Jetzt schafft.
"Mindstate Malibu" ist ein unfreiwilliges Generationenporträt, ein Leitfaden für eine neue Welt. Für eine Welt, in der Angst und Verwirrung da sind, um auf ihren Wellen zu reiten. Ein Manifest für die Jungen. Die Hungrigen. Die Explorer. Die Content Creator. Die Träumer. Die Aufgeweckten. Die Säbelrassler. Die Heroes. Und alle, die es werden wollen. Mit Startup Claus, Creamspeak, Joshua Groß, Johannes Hertwig, Leonhard Hieronymi, Rafael Horzon, Andy Kassier, Karin Kolb, Charlotte Krafft, Lisa Krusche, Anika Meier, Signe Pierce, Kurt Prödel, Leif Randt, Fabian Schäfer, Jenny Schäfer, Clemens Setz, MC Smook, Manuel Weißhaar, Dax Werner und Ronja Zschoche aka Haiyti.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.11.2018

Rezensent Martin Eimermacher erklärt sich den "Mindstate Malibu" folgendermaßen: In einer hyperkapitalistischen Welt, die sich jegliche Kritik einverleibt und sie vermarktbar macht, ist der beste Widerstand das heillose "Wegaffirmieren". Und genau das tun die Autoren der hier versammelten Tweets, Interviews, Kritzeleien und Essays, darunter Literaturpreisträger Clemens Setz, Titanic-Autor Dax Werner und Musikvideoproduzent Kurt Prödel, meint Eimermacher: Wenn "alles sehr, sehr geil" ist, ist es langfristig nichts mehr; die Sprachfloskeln zerfallen, so laut Rezensent die Theorie. Eimermacher selbst scheint das Ergebnis wenig fassbar, auch wenn er sich wünscht, dass die Autoren Recht behalten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.11.2018

Rezensent Felix Stephan spart nicht mit bedeutenden Vergleichen nach der Lektüre dieser "Mindstate Malibu" betitelten Anthologie mit 21 Beiträgen: Ähnlich wie in Kurt Pinthus' "Menschheitsdämmerung", Rolf Dieter Brinkmanns "Acid" oder dem Gesprächsband "Tristesse Royal" schnurrt hier Gegenwart auf wenigen Seiten zusammen, meint er. Aktuell geht es um das "digitale Dasein", fährt Stephan fort und diagnostiziert neben einer "permanenten Theoretisierung" des eigenen Tuns den Hang, die eigene Arbeit, immer zwischen Affirmation und Kritik switchend, selbst zu ironisieren. Beispielhaft dafür findet der Rezensent etwa den Text von Charlotte Krafft, dem er ein "widerständiges Flimmern" attestiert, wenn sie verschiedene Ironiekonzepte abwägend ihren bereits in einem an anderer Stelle erfundenen Begriff der "Hyperironie" verteidigt und schließlich mit einem behänden Satz "jenseits der Hermeneutik" landet. Darüber hinaus erscheint Stephan das Buch als Rückblick auf ein popkulturelles Jahrzehnt, beeinflusst etwa durch die Bühnenbilder Susanne Kennedys, die Videos Ed Atkins oder die Installationen von Ryan Trecatin. Dass der Ansatz der AutorInnen, die eine "klare Haltung" als kommerziell abtun, ein wenig "gymnasial" wirkt, geht für den Kritiker in Ordnung: Eine angenehm "unbelastetes" Nachdenken über Fragen wie Kann man "relevante" Kunst auf der Gewinnerseite von globalem Kapitalismus und Digitalisierung herstellen, verdankt er den Texten in jedem Fall.

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