Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN
9783751821254 Gebunden, 94 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
In seinem neuen Essay seziert Byung-Chul Han den dramatischen Verfall einer zentralen sozialen Tugend: Respekt. Was einst das Fundament des Zusammenlebens war, droht heute in einer von Narzissmus, Wettbewerb und digitaler Enthemmung geprägten Gesellschaft zu verschwinden.Han entfaltet eine vielschichtige Diagnose unserer Gegenwart: Die neoliberale Leistungsgesellschaft produziert Verlierer, die sich selbst hassen und andere verachten. Der Kampf um Respekt wird zum Kampf um Status - und damit zur Ursache für Spaltung, Gewalt und gesellschaftliche Zersetzung. In den sozialen Medien wird Respekt durch Aufmerksamkeit ersetzt, Höflichkeit durch Shaming, Gemeinschaft durch Communitys, die keine Solidarität kennen. Han zeigt, wie Respekt, Selbstachtung und soziale Bindung miteinander verwoben sind - und wie ihr Verlust zu einem täglichen Bürgerkrieg en miniature führt, der die Gesellschaft von innen heraus zerfrisst.Doch Byung-Chul Han bleibt nicht bei der Kritik stehen. Er entwirft eine Vision für eine neue Politik der Freundschaft, für ein respektgeleitetes Miteinander, das auf Distanz, Aufmerksamkeit und gegenseitiger Anerkennung beruht. Respekt ist für ihn kein Luxus, sondern die Voraussetzung für Demokratie, Diskurs und ein gelingendes Leben.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.03.2026
Byung-Chul Han hat wieder einmal etwas an der modernen Gesellschaft auszusetzen, weiß Rezensent Nils Schniederjann. Diesmal erwischt es die nach Hans Ansicht grassierende Respektlosigkeit. Die sei dafür verantwortlich, dass wir uns nicht länger in einer, im Sinne antiker Philosophie, "wohlgeordneten" Gesellschaft bewegen. Hans Philosophie vereint kulturkonservative und linke Argumentationsmuster, eine Sehnsucht nach Hierarchien mit einer Kritik am Neoliberalismus. Schniederjann kann mit letzterer offensichtlich mehr anfangen als mit ersterer, liest Han aber insgesamt recht gern. Gleichzeitig stellt er klar: Einen komplett ausgearbeiteten Denkentwurf sollte man hier nicht erwarten, vielmehr liefert der nicht allzu systematisch schreibende Han wie stets in erste Linie Denkanstöße.
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