Joshua Groß

Flexen in Miami

Roman
Cover: Flexen in Miami
Matthes und Seitz, Berlin 2020
ISBN 9783957578846
Gebunden, 199 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Auf Einladung der Rhoxus Foundation verschlägt es den Erzähler Joshua nach Miami. Dort findet er sich in einem smarten Apartment wieder: Geld und Astronautennahrung werden von einer Drohne geliefert, die Temperatur automatisch reguliert, der Kühlschrank ist sein einziger Gesprächspartner. Das Computerspiel "Cloud Control" bietet die einzige Abwechslung, es speist sich in Echtzeit aus den Daten der Gamer. Bei einem NBA-Spiel trifft Joshua die Meeresbiologin Claire, und die beiden reisen nach wenigen Wochen nach Nassau, wo Claire ihm eröffnet, dass sie schwanger ist, jedoch offenlässt, ob das Kind von ihm ist. "Flexen in Miami" ist eine Liebesgeschichte, die auf vielfachen Ebenen danach fragt, woher wir wissen können, dass wir da sind, und wie wir einander begegnen können: als Menschen oder Avatare, im Leben genauso wie in der Cloud.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.06.2020

Nachdem Miryam Schellbach in der FAZ vorschlug, dieser Art von Literatur einen eigenen Namen zu geben, bietet Rezensent Lars Weisbrod nun die Begriffe "Speedboat-Literatur" oder "Glitch-Literatur" ("Glitch" nennt man kleine Fehler in Computerspielen, verrät der Kritiker) an. Die Sprache in Joshua Groß' Roman "Flexen in Miami" sei nämlich ebenso klar, so stringent und glitzernd, wie die Kielwasser-Linie des Speedboates, indem Groß' Alter Ego einmal sitzt. Dieses alter Ego befindet sich in Miami, wo er das Geld seines Stipendiums für Drogen und Sportwetten ausgibt, mit interessanten Frauen schläft und Rapper oder Sportstars trifft, so Weisbrod. Doch ohne genau sagen zu können, was, hat man doch immer das Gefühl: Irgendetwas stimmt hier nicht, irgendwo versteckt sich ein Glitch. Es lohnt, sich lesend auf die Suche zu machen, so der zufriedene Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2020

Rezensentin Miryam Schellbach wittert ein ganz neues Genre, in das der Roman von Joshua Groß prima passt. Wie der Autor mit seiner Geschichte um einen gelangweilten Künstlerstipendiaten in Miami den Gegenwartsstress der sozialen Netzwerke thematisiert und gekonnt zwischen Cloud und Roadtrip navigiert, findet Schellbach reizvoll. Nicht nur die allgegenwärtige "emotionale Erosion" ist für sie gut spürbar, auch das dichte Metapherngewebe aus der virtuellen Sphäre scheint ihr spannend, zumal Groß laut Schellbach keine kulturpessimistischen Klänge anstimmt, wenn er den Menschen in seiner digitalen Umwelt zeigt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.03.2020

Felix Stephan verliert den Überblick im Roman von Joshua Groß. Ob es sich bei dem Erzähler, einem höchst passiv agierenden, in atavistischer Sprache formulierenden Literaturstipendiaten in Miami, am Ende nicht doch um einen Androiden in einer Simulation handelt, vermag er nicht zu entscheiden. "Nervenaufreibend" scheint ihm die Handlung jedenfalls, auch wenn sich nur die Maschinen als "mental belastbar" erweisen und ein Kühlschrank als echter Empathieprotz auftritt. Eine Prosa, die für den Rezensenten klingt, als habe KI sich in einen Literaturstipendiaten hineinversetzt.

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