Juan Bonilla

Der nubische Prinz

Roman
Cover: Der nubische Prinz
Rogner und Bernhard Verlag, Hamburg 2004
ISBN 9783807701462
Gebunden, 294 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Silke Kleemann. Kann man einen Menschen vor dem sicheren Tod bewahren? Moises Froissard glaubt fest daran und beginnt deshalb bei einer Hilfsorganisation in Lateinamerika zu arbeiten. Doch schon bald wechselt er zum lukrativen Club Olymp, einem Makrounternehmen mit dichtem internationalen Netzwerk, der zu hohen Preisen Models, Luxusnutten und Callboys vermittelt. Froissard reist an die ärmsten Orte der Welt, unermüdlich auf der Jagd nach den schönsten Geschöpfen, und er wird der beste Jäger des Clubs. "Leben retten" nennt Froissard das, sehr frei nach seinem alten Motto. Akribisch genau fotografiert er die "Auserwählten" und klebt sie in Fotoalben, während La Doctora, seine Auftraggeberin, begeistert Kriege und Katastrophen verfolgt, bedeuten diese doch billigen Nachschub für den Club. Der Auftrag, den schönen Boo in der Unterwelt Malagas ausfindig zu machen und für den Club zu verpflichten, wird Froissard schließlich zum Verhängnis. Der schöne Boo tut sich mit der schönen Irene (das Nubische Prinzenpaar werden sie stolz von La Doctora genannt) zusammen und gemeinsam machen sie aus dem Jäger Froissard einen Gejagten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2004

Eine anschaulich-erhellende Darstellung des westlichen Durchschnittsgemüts der Postmoderne fand Rezensent Kersten Knipp in Juan Bonillas Roman "Der nubische Prinz". Der Ich-Erzähler arbeitet für eine internationale Begleitagentur; um an Mitarbeiter zu kommen, macht er sich auf die Suche nach illegalen afrikanischen und maghrebinischen Einwanderern, die er unter Vertrag nehmen kann. In diesem speziellen Fall sucht er einen gutgewachsenen "nubischen Prinzen", der sich als illegaler Ringkämpfer durchschlägt. So gut aber die Geschichte auch geschrieben ist, befindet Knipp, ihre eigentliche Stärke ist die moralische Irritation, die von ihr ausgeht. Denn Bonillas Roman löst ganz unweigerlich eine Reflexion über Wohlstand und Zynismus aus - ist es tatsächlich verwerflich, wenn der Ich-Erzähler Menschen die Möglichkeit bietet, ein wohlanständiges Leben in den westlichen Gesellschaften dadurch zu erwerben, dass sie sich verkaufen? So sieht der Rezensent im "Nubischen Prinzen" den Spiegel einer Gesellschaft, die geprägt ist von einem schnoddrig aufgeklärten falschen Bewusstsein.
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