Juan Jose Saer

Ermittlungen

Roman
Cover: Ermittlungen
DuMont Verlag, Köln 2005
ISBN 9783832179069
Gebunden, 191 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Hanna Grzimek. Siebenundzwanzig alte Damen sind in den letzten neun Monaten in Paris einem geheimnisvollen Mörder zum Opfer gefallen, siebenundzwanzig Mal konnte der raffinierte Täter spurlos verschwinden. Kommissar Morvan, ein bis zur Besessenheit akribischer Pariser Ermittler tappt mit seiner Sonderkommission und dem Kommissar und Freund Lautret im Dunkeln.
Diesen Aufsehen erregenden Fall aus der Pariser Kriminalchronik erzählt der in Frankreich lebende Literat Pichon - eine Hommage an den amerikanischen Autor Thomas Pynchon - zwei Freunden während eines sommerlichen Abendessens in seiner argentinischen Heimat. Die drei haben am gleichen Tag ein mysteriöses Manuskript aus dem Nachlass eines Freundes in Augenschein genommen, und die Frage nach dem Geheimnis der Autorschaft kreuzt sich in ihrem geistreichen Gespräch mit der Frage nach dem Urheber der grausamen Pariser Bluttaten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2005

"Ermittlungen" ist ein Roman für den anspruchsvollen und investigativen Geschmack, befindet Rezensent Andreas Breitenstein. Der Autor habe drei unabhängige Geschichten ineinander geschachtelt, wobei jede für sich bereits beim Leser eine große Freude am Puzzlespiel erfordere. Die zentrale Geschichte erzählt von drei Freunden und Aficionados der Literatur, die auf einer Reise durch Argentinien über "Wahrheit und Fiktion" von literarischen Texten diskutierten. Dabei gehe es um ein Typoskript unbekannter Herkunft über den Kampf um Troja aus der Sicht eines Soldaten, referiert der Rezensent, und schließlich um den angeblich wahren Fall eines Pariser Kommissars. An dem mündlich erzählten Krimi im Roman lobt Breitenstein die "hohe Suggestivität und psychologische Stimmigkeit" und erkennt als Kernfrage der drei Freunde: Wann oder wie mutiert die Obsession des Rechercheurs der Realität zum Wahnsystem? Der Rezensent sieht hier eindeutig die "erkenntnistheoretischen Stärken" des Romans, die allerdings auch seine "Schwächen" seien. Denn, so Breitenstein, den Figuren bis auf den Pariser Kommissar mangelt es doch ein wenig an "Blut und Seele".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005

Juan Jose Saers Krimi erscheint Andreas Dorschel "doppelbödig", und er verwendet den Hauptteil der Besprechung darauf, die dieser Annahme zugrundeliegenden Besonderheiten in der Konstruktion zu erkläutern: Saer treibt "ein Spiel" mit seinen Lesern, er spricht sie direkt an, um sie durch dieses Mehr an Information aber nur noch weiter zu verunsichern. Der Leser, schreibt Dorschel, muss nach und nach selbst das Szenario entdecken, in dem die Geschichte eingebettet ist. Die "Kunst" Saers liege nun darin, den Leser in die Geschichte hineinzuziehen, ohne diese damit an Substanz verlieren zu lassen. Das Experiment, an dem viele Kollegen scheitern, ist geglückt, weshalb der Rezensent beglückt berichten kann, sich als Leser zugleich in und außerhalb der Geschichte zu wähnen. Die inhaltlichen Elemente des "Whodunnit"-Stücks sind dagegen eher konventionell, meint Dorschel, der nur noch vom Schluss überrascht wurde.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.04.2005

Sprachlich gefällt dieser Kriminalroman Brigitte Werneburg sehr gut: Sie lobt "den trotz einer reich und raffiniert geführten Sprache großartig lakonischen Tonfall". Die Geschichte selbst gefällt ihr weniger: Drei Intellektuelle sitzen in Buenos Aires zusammen und diskutieren eine Serie von Morden, die in Paris an alten Damen verübt wurden. Dabei spielt auch ein Manuskript eine Rolle, das im Nachlass eines argentinischen Dichters gefunden wurde. Das ist eine "etwas verkrampfte Konstruktion", findet Werneburg. Am meisten missfällt ihr jedoch, mit welcher Hingabe zum Detail die Morde, "Folterungen und Vergewaltigungen" geschildert werden. Da der Täter lange unbekannt bleibt, "meint man geradezu den Grund für das Morden den Opfern zuschreiben zu müssen". Für Werneburg ist das unentschuldbar, auch wenn sich später alles aufzuklären scheint.
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