Aus dem Französischen von Karin Utterndörfer. Nach einem Raubüberfall auf ein Schmuckgeschäft wird die knapp zwanzigjährige Helena 1967 gefasst. Sie weigert sich, den Namen ihres flüchtigen Komplizen und Liebhabers preiszugeben. Monate später bringt sie im Frauengefängnis eine Tochter zur Welt, die von der Großmutter Mila, einer ehemaligen Varieté- Tänzerin, hingebungsvoll großgezogen wird. Milas Briefe an die inhaftierte Tochter sprechen von ihrem Unverständnis für das kalte Schweigen und versuchen eine Verbindung zwischen Tochter und Enkelin zu knüpfen. Als Helena nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, nimmt sie zwar die kleine Angèle zu sich, scheint aber keine Beziehung zur Umwelt mehr zu finden und steckt das Kind bald in ein Internat. Wer der Vater war, wohin er geflohen ist und warum Helena sich von dieser jugendlichen Liebe ein Leben lang nicht lösen kann, bleibt Angèle unverständlich. Bis sie, nach Helenas Tod im Jahr 2007, auf einen Zeitungsartikel über den Prozess von damals stößt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2012
Katharina Teutsch zeigt sich außerordentlich eingenommen vom Romandebüt Judith Perrignons, die darin die "Tradition der Entsagungsromane" des 17. Jahrhunderts auf beeindruckende Weise aufleben lässt. Erzählt wird die Geschichte von drei Frauengenerationen, der im Frauengefängnis "La Petite Roquette" geborenen Angele auf der Suche nach ihrem Vater, ihrer sich für die erste Liebe aufopfernde Mutter und der ebenfalls einst unglücklich liebenden Großmutter, erfahren wir. Kunstvoll verschachtelt, ohne jede Sentimentalität und sehr genau werden hier drei miteinander verknüpfte Frauenschicksale entfaltet, lobt die Rezensentin begeistert.
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