Mit Illustrationen von Robert Schalinski, basierend auf den Collagen der Originalausgabe. Wenn der Leser sich fragt, in welches chronotopische Umfeld ihn diese fragmentarischen Episoden entführen (an welche Orte & in welchem erzählerischen Zeitverlauf also), ist er auf dem richtigen Weg. Er hat es mit einem System von Schnittpunkten zu tun, das eine Umorientierung der Vorstellung bedingt. Amnesien, dieses nach dem Muster gefühlter Science-fiction in eine Raumstation projizierte Territorium, liefert genügend Voraussetzungen für Darstellungs- & Wahrnehmungsverschiebungen unter veränderten Lebensbedingungen ohne Erinnerung, wo Zeit in Diskontinuitäten zerbricht. Es geht dabei nicht um üblichen Erinnerungsverlust, sondern um den Verlust jeder Vergangenheit mit der Folge, dass in der Exterritorialität nur der kurze nackte Augenblick zwischen Tür & Angel der Wahrnehmung zählt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2015
Florian Vetsch freut sich sehr über die Neuauflage von Jürgen Ploogs "Nächte in Amnesien", die nun zu dessen achtzigstem Geburtstag erschienen ist. Ploogs Roman ist ein Anti-Roman, verrät der Rezensent, seine Helden sind Anti-Helden, überhaupt handelt es sich um "Science-Fiction aus dem Giftschrank für die Menschheit", warnt Vetsch, der den glatten, sinnvollen Sätzen des Autors kaum noch die Cut-Up-Methode anmerkt, für die Ploog so bekannt ist.
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