Die Rolle der Royal Navy in der europäischen Übersee-Expansion des 18. und 19. Jahrhunderts wird in diesem Buch nicht als militärische, sondern als kulturelle und gesellschaftliche Ausbreitung verstanden, insbesondere als weltweite Durchsetzung einer liberalen Rechts- und Eigentumsordnung. Hierbei spielte die britische Kriegsmarine - als staatliches Instrument mit globaler Reichweite - eine wichtige Rolle. Erkundungsfahrten, die aus aufklärerischer Neugierde unternommen wurden, weckten rasch das Bedürfnis, die vorgefundenen Verhältnisse neu zu ordnen. Es folgten Eingriffe in außereuropäische Ökosysteme und Gesellschaftsordnungen und damit die Durchsetzung eigener Wertvorstellungen und Rechtskonzepte im Gewande der "Zivilisierung" und "Weltverbesserung". "Erdbeeren und Piraten" ist die erste deutschsprachige Studie zur Rolle der Royal Navy in der europäischen Übersee-Expansion des 18. und 19. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2012
Recht boshaft, welche Anekdote Daniel Damler hier aus Julia Angsters "sehr lesenswerter und gut lesbarer" Geschichte der Royal Navy von 1770 bis 1860 für seine Rezension ausgewählt hat. Die Navy trug ihren Teil dazu bei, die Welt nach britischem Muster zu zivilisieren, erzählt Damler, und das mussten auch die Griechen erfahren, die Anfang des 19. Jahrhunderts fröhlich britische Handelsschiffe kaperten, während die Navy ihnen die Türken vom Hals hielt. Die Navy beendete dieses Treiben 1928 und überließ die weitere Zivilisierung Griechenlands dem Deutschen Otto von Wittelsbach. Damler lobt die Darstellung zeitgenössischer Überlegungen zur Rechts- und Ordnungspolitik. Zwei Dinge hätte er sich aber am Ende noch gewünscht: Einen Blick auf die Rückwirkung außereuropäischer Zivilisationen auf Britannien und die Einbeziehung ausgezeichneter aktueller Studien, statt französischer Theoretiker aus den siebziger Jahren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.06.2012
Beeindruckt zeigt sich Thomas Speckmann von Julia Angsters Studie über die "Royal Navy und die globale Weltordnung 1770-1860". Die Autorin führt für ihn überzeugend die Bedeutung der Royal Navy für die Weltmacht Großbritannien in dieser Epoche vor Augen. Deutlich wird seines Erachtens, dass die Vormachtstellung des British Empire nicht allein auf staatlicher und militärischer Macht basierte, sondern mehr noch auf "weicheren" Formen der Machtausübung wie Handelsbeziehungen, Finanzströme, Netzwerke, Kommunikationsverbindungen, Zugang zu allen Weltregionen et cetera. Auch die zentrale Rolle der Royal Navy als globaler ordnungspolitischer Akteur findet Speckmann hervorragend dargestellt. Sein Fazit: eine durchdacht aufgebaute und exzellent geschriebene Studie.
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