Was verraten uns die Eskapaden des Zeus über das altgriechische Frauenbild? Wie weiblich waren die antiken Göttinnen? Und wie war es um ihre irdischen Schwestern bestellt? Das klassische Griechenland genießt als erste europäische Hochzivilisation ein großes, zuweilen schwärmerisches Ansehen. Weniger Beachtung finden gewöhnlich die Schattenseiten: z. B. die Praxis der Sklaverei und die rigide Unterdrückung der Frauen im alten Griechenland. Julia Iwersen verwendet den Gender Studies-Ansatz, um das Frauenbild zu analysieren, das sich in der gesellschaftlichen Ordnung, im Mythos und in der Religion manifestierte. Während etwa das Weibliche schlechthin die Ordnung der Polis in Frage stellte und potentiell bedrohte, besaßen die Frauen bei kultischen Handlungen und Festen unerwartete Freiräume.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2002
Was Wolfgang Schuller zu Julia Iwersens Studie über die Stellung der Frau im antiken Griechenland schreibt, darf man getrost als Hinrichtung bezeichnen. "Erstaunlich, erschütternd und deprimierend" lautet sein vernichtendes Urteil. Erstaunlich deshalb, weil die Autorin mit der Behauptung, die Frauen wären durchweg gegen ihren Willen zu Hause interniert worden, neuere anderslautende Forschungsergebnisse schlicht ignoriere und damit "Ansichten verkündet, die allenfalls in einer frühen Phase der feministisch inspirierten Frauengeschichte geäußert werden konnten; man könnte sie vulgärfeministisch nennen". Ähnlich undifferenziert gehe die Autorin mit den Sagenstoffen um, aus deren verschiedenen Versionen sie sich einfach das herausnehme, "was ihr gelegen kommt". Eine "ernsthafte Diskussion" verbietet sich da für den Rezensenten von selbst. Auch über die lückenhafte und den Namen von Karl Kerenyi ständig falsch schreibende Bibliographie oder die nicht vorhandenen Griechisch- und Lateinkenntnisse der Autorin kann sich Schuller nur wundern: "Wie war es möglich, dass ein solcher Text publiziert werden konnte?"
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.07.2002
Karl Christ findet gute wie nicht so gute Elemente in dieser Studie von Julia Iwersen über die Rolle der Frau in der Antike. Einerseits wirft er ihr vor, "die Antike an den Kriterien, Forderungen und Idealen der Gegenwart zu messen". Diese Tendenz zieht sich seiner Ansicht nach durch das ganze Buch, was zur Folge hat, dass ihr Bewertungen und Analysen nach Meinung des Rezensenten nicht differenziert genug ausfallen. Trotzdem hat das Buch auch großen Stärken. Zum Beispiel ist Christ beeindruckt von der "konzentrierten Erörterung von religiösen Phänomenen". Auch in anderen Bereichen bietet das Buch einiges an interessanten Informationen und deckt dabei ein weites Feld ab, die griechische Mythologie wird dabei ebenso behandelt wie "angelsächsische Gender Studies und poststrukturalistische Positionen". Außerdem hält der Rezensent Iwersen zugute, dass sie trotz ihrer eigenen poststrukturalistischen Position auch konservativere Theoretiker berücksichtigt. Auch ihr Resümee, das besagt, dass in der Antike "Physis wie Psyche der Frauen mit der Natur gleichgesetzt wurden" und dass diese Zuweisung die abendländische Kultur bis heute prägt, nennt Christ "prägnant".
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