Julia Phillips

Das Verschwinden der Erde

Roman
Cover: Das Verschwinden der Erde
dtv, München 2021
ISBN 9783423282581
Gebunden, 376 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Pociao und Roberto de Hollanda. An einem Sommertag an der Küste Kamtschatkas verschwinden die russischen Schwestern Sofija und Aljona. Das Verbrechen erinnert an einen Vorfall nur Monate zuvor in der indigenen Bevölkerung. Wie eine düstere Wolke hängt der ungelöste Fall fortan über Kamtschatka und beeinflusst das Leben ganz unterschiedlicher Frauen in einer gespaltenen, männerdominierten Gesellschaft. Während das Netz zwischen den Einzelschicksalen dichter wird, hält die Suche nach den Mädchen die ganze Stadt in Aufruhr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2021

Rezensentin Katrin Doerksen zeigt sich beeindruckt von Julia Phillips Debüt. 2011 verbrachte die amerikanische Autorin einige Zeit auf der russischen Halbinsel Kamtschatka, um dort über die Auswirkungen der wachsenden Tourismusbranche zu schreiben. "Das Verschwinden der Erde", weiß Doerksen, ist das Ergebnis dieser Arbeit. Der Roman beginnt mit der Entführung zweier Schwestern. Von den Folgen ihres Verschwindens für die verschiedenen Protagonistinnen sowie von den Ermittlungen wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Durch ihre Augen lernen wir die Region und ihre Schwachstellen kennen: die "Generationenkonflikte, Korruption, das gegenseitige Misstrauen und der Rassismus", aber auch die Schönheit der Insel. Es sind vor allem diese so unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Perspektiven, die den Reiz des Buches ausmachen, findet Doerksen. Und natürlich die Sprache! "Klar" und fließend, nur ab und zu gebrochen durch ungewöhnliche, brutale Bilder, die den Charakter der Insel verdeutlichen. Ein besonderes Leseerlebnis, so die angetane Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.01.2021

Rezensent Christoph Schröder hat nachhaltig beeindruckt, wie geschickt in diesem Buch die Entführung zweier Mädchen genutzt wird, um ein spannendes Bild der Gesellschaft auf Kamtschatka zu zeichnen. Es erzählt an mehreren Figuren entlang, die von dem Verbrechen direkt oder indirekt betroffen sind. Sowohl die Benachteiligung Indigener wie auch die der Frauen und das ambivalente Verhältnis zur gefallenen Sowjetunion werden entfaltet, all das vor der malerischen Kulisse der einzigartigen Landschaft der Halbinsel und ohne jeglichen Voyeurismus, so Schröder. Sein Fazit: "ein staunenswert gelungenes Debüt".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.01.2021

Nach einer kleinen, skeptischen Diskussion des Vorwurfs kultureller Aneignung, den heutzutage Schriftsteller treffen kann, wenn sie sich nicht auf ihre eigenen Erfahrungen beschränken, lobt Nicolas Freund im Gegenteil, dass hier eine amerikanische Debütantin sich traut, einmal ein anderes Land und eine andere Landschaft zum Handlungsort zu machen. Der feministische rote Faden, dass es nach Selbstaussage der Autorin in allen dreizehn Geschichten immer wieder um die Unfairness weiblichen Lebens geht, überzeugt ihn weniger. Gelungen scheint ihm jedoch, wie der Schriftstellerin mit ihrer Sprache, die er als "klar und präzise" lobt (und die in der Übersetzung gut herauskomme), und in ihren gut gewichteten Situationsbeschreibungen eine große Deutlichkeit gelingt in der Darstellung menschlicher Beziehungen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.01.2021

Rezensent Klaus Brinkbäumer lässt sich von Julia Phillips ins dunkle Kamtschatka entführen. Das Debüt der New Yorkerin besticht für ihn durch Dichte und Intensität, erlangt durch die zehnjährige Entstehungszeit des Textes und intensive Recherche. Dass der episodische Roman um das Leben unterschiedlicher, vage miteinander verbundener Menschen in dieser rauhen Erdgegend dennoch "gleitend" daherkommt und nicht schwer oder überkonstruiert, erstaunt den Rezensenten.