Aus dem Polnischen von Kirsti Dubeck. Gleiwitz in den fünfziger und sechziger Jahren des 20.Jahrhunderts: J., der Held des Romans, erlebt die ihn umgebende vielschichtige Welt Oberschlesiens aus der Sicht eines Kindes, begleitet von der erwachsenen Perspektive des sich erinnernden Erzählers. In der Geschichte seiner Familie spiegelt sich eine komplizierte polnisch-jüdisch-schlesisch-deutsche Welt: J.s Vater, ein Krakauer Jude und KZ-Überlebender, träumt in einer zunehmend antisemitisch eingestellten Umwelt von Israel, seine Mutter, eine bodenständige Oberschlesierin, kann sich nicht vorstellen, ihre geliebte Heimat zu verlassen. In der Gleiwitzer Grenzlandatmosphäre und der politischen Wirklichkeit des volksrepublikanischen Polen setzt J. sich mit seiner jüdischen Herkunft auseinander, durchläuft intellektuelle und sexuelle Initiationsriten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.09.2003
Es sei eben nur ein weiterer "Entwicklungsroman" resümiert Gerhard Gnauck gelangweilt. Der polnische Autor Julian Kornhauser habe da eine autobiografische Erzählung abgeliefert, die oft von "unwahrscheinlicher Schläfrigkeit" geprägt sei. Außerdem findet der Rezensent die Übersetzung manchmal "ärgerlich". Für manchen Leser im deutschsprachigen Raum könne das Buch aber trotzdem interessant sein, in dem Kronhauser - 1944 in Gleiwitz (Gliwice) als Sohn eines Krakauer Juden und einer oberschlesischen Polin geboren - seine Geschichte erzählt, meint Gnauck. "Skeptisch bis melancholisch" sei die Weltsicht des Protagonisten, der seine Heimat abtastet und ihre verlorene Multitkulturalität besingt. Das sei aber leider nichts Neues, das hätten andere schon besser gemacht, schließt Gnauck.
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