Aus dem Französischen von Silv Bannenberg. Wie Pablo Picasso trifft auch die Amerikanerin Isadora Duncan zur Zeit der Weltausstellung von 1900 in Paris ein. Dort entdeckt sie die Skulpturen von Auguste Rodin - eine Offenbarung! Sie, die an das Schönheitsideal der Griechen glaubt, möchte nun Leidenschaft kennenlernen, wie Rodin sie in Marmor schlug. Vor allem Ekstase. Isadora Duncan entwickelt einen eigenen Tanzstil und feiert mit Anfang zwanzig erste künstlerische Erfolge in London. Später gilt sie als Wegbereiterin des modernen sinfonischen Ausdruckstanzes, entwickelt ein neues Körper- und Bewegungsempfinden und versucht, klassische Konzertmusik tänzerisch umsetzen, indem sie den Tanz der Antike wiederaufleben lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.11.2020
Rezensentin Dorion Weickmann erinnert daran, dass es von den Tanzikonen der Moderne keine filmischen Aufzeichnungen gibt, ihr Können und Wissen überlieferte sich allein von Körper zu Körper. Eine Comic-Biografie kann hier besonders viel leisten, meint Weickmann. Ihr zufolge zeigen Julie Birmant und Clément Oubrerie denn auch mustergültig, wie in diesem Medium tanzästhetische Dimensionen, Zeikolorit und die turbulente Lebensgeschichte einer aufregenden Künstlerin zusammengeführt werden können. Der Rest ist Tanzfantasie.
Rezensentin Katrin Bettina Müller folgt der Geschichte der Tänzerin Isadora Duncan in der Graphic Novel von Julie Birmant und Clément Oubrerie mit Spannung. Wie sich die sexuelle Emanzipation aus Sicht einer Frau um 1900 darstellte, fangen die Autoren Müller zufolge gut und mit Humor ein, ohne in allzu große Bewunderung für Duncan zu verfallen. Der Duncan anekdotisch auf ihrer Bildungsreise durch Europa folgend, in die Antikensammlungen der Museen, zu Rodin und schließlich in die Ehe mit dem russischen Dichter Sergei Jessenin, ist das Buch für Müller ein Stationendrama "mit Witz und Action", das nur manchmal etwas "schwer trägt" an der Last der vielen Figuren.
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