Familie Cramer droht die Zerreißprobe. Dabei waren sie einst eine Vorzeigefamilie. Ein erfolgreicher Diplomatenvater mit einer schönen Frau und drei wohlgeratenen Kindern. Erst Jahrzehnte später, Mutter Maria ist längst gestorben und die Kinder erwachsen, zeigen sich die Risse im Familienfundament. Und als der Patriarch in eine Demenz schlittert, drohen aus den Rissen einstürzende Wände zu werden. Irgendjemand muss sich kümmern, doch wer? Luka ist als Fernsehreporterin kaum je zu Hause, Tom mit der Leitung seiner psychiatrischen Klinik beschäftigt, und Elena steigert sich in ihre Jugendliebe hinein, weil sie vor einer unangenehmen Wahrheit die Augen verschließt. In dem Glauben, von den anderen nicht verstanden zu werden, trägt jeder sein eigenes Päckchen - bis der Vater spurlos verschwindet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.10.2024
Rezensentin Sara Maria Behbehani fühlt sich nicht allzu wohl in der unglücklichen Familienkonstellation, die Julie von Kessels Buch über weite Strecken ausbreitet. Die eigensinnig vor sich hin lebenden Familienmitglieder sind, zählt Behbehani auf, der demenzkranke Vater Hans, der als Psychiater arbeitende, Drogen nehmende Bruder Tom, sowie zwei Schwestern, Luka, eine quotengeile Kriegsreporterin und Elena, die an Brustkrebs erkrankt ist und ihren Freund betrügt. Der Roman ist aus diesen vier Perspektiven abwechselnd erzählt, erläutert Behbehani, die allerdings nicht den Eindruck hat, dass sich die vier schablonenartig gezeichneten Figuren allzu sehr voneinander unterscheiden. Alle sind selbstbezogen und wenig an Zusammenhalt interessiert, alle geraten in Probleme und am Ende löst sich trotzdem alles in Wohlgefallen auf. Das ist angesichts des Vorangegangenen wenig glaubwürdig, kritisiert die insgesamt ziemlich skeptische Rezensentin.
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