Aus dem Ukrainischen von Sabine Stöhr. Vier Dichter und ihre bizarre Entourage unterwegs in die Karpaten. In Tschortopil soll das Fest des auferstehenden Geistes steigen, ein Happening, eine Kreuzung aus Woodstock, Orgie und folkloristischem Mummenschanz. Der Rockstar aus Leningrad reist im Zug an, während die "Blüte der Nation", die jungen Dichter aus der Provinz, von einem Chrysler Imperial aufgesammelt werden, am Steuer ein ukrainischer Emigrant, der eine Privatklinik in Luzern leitet und sich als Sponsor ausgibt. Karpatenkarneval, geschrieben im September/Oktober 1990, ist der legendäre Bilderstürmertext des 30jährigen Lyrikers und Performance-Künstlers Juri Andruchowytsch, der die ukrainische Literatursprache zerstörte, um sie neu zu erfinden.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.07.2019
Rezensent Jörg Plath sieht in Juri Andruchowytschs erstem, erst jetzt auf Deutsch veröffentlichtem Roman von 1992 eine Fingerübung, aber eine lesenswerte. Was der Autor über ein wildes Gelage von Dichtern, Adligen, Bürgerlichen und Drogenafficionados in einem entlegenen ukrainischen Kaff erzählt, sprüht laut Plath vor bizarren Überraschungen und politischer Parodie. Dass der "Stationenroman" die Macht der Dichtung feiert und mit Selbstreferenzen nicht geizt, wundert Plath allerdings kaum.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.03.2019
Ursprünglich 1992 erschienen und nun erstmals ins Deutsche übersetzt, erzählt der "Karpatenkarneval" laut Rezensentin Tanja Maljartschuk die Geschichte dreier ukrainischer Dichter, die an einem mysteriösen Ort inmitten der Karpaten ein "Fest des auferstehenden Geistes" feiern, sich dabei betrinken und im Verlauf der Nacht besondere Erfahrungen machen. Nicht nur zeigt Juri Andruchowytschs Roman in den Augen der beeindruckten Kritikerin das neue Aufblühen der ukrainischen Literatursprache in der Zeit zwischen dem Ende der Sowjetunion und vor der Annexion der Krim durch Russland, sondern er fängt mit seinem Zynismus und seiner Jovialität für sie auch ideal die kurze Phase übermütigen Frohsinns ein, der schon von einer "unbewussten körperliche Angst vor einer erneuten russischen Okkupation" überschattet wird.
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