Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe. "Vergiss die Politik, lies keine Zeitung, geh nicht ins Netz, verweigere deine Stimme" so beginnt der "Linke Marsch", ein Kapitel aus Serhij Zhadans zweitem Prosaband, dem ein Song der Sex Pistols, Anarchy in the UKR, als Motto dient. Zhadan ist dabei, sich zur stärksten Stimme der jungen ukrainischen Literatur zu entwickeln und zum Antipoden von Juri Andruchowytsch. Auch Zhadans Ich-Erzähler ist ständig im Zug oder in bizarren Landschaften unterwegs. Doch es zieht ihn nicht zu den Ruinen der habsburgischen Vergangenheit, sondern in die Industriebrachen des Donbass im Südosten des Landes an die Orte des von den Sowjets zerschlagenen Anarchokommunismus. Niemand scheint sich an Nestor Machno zu erinnern. Anarchismus, das gab es nie. Bis er im November 2004 in Charkiw, zu Füßen des "Fuck-Lenin-Denkmals", wiederaufersteht.
Nicht schön, aber doch beeindruckend und kraftvoll findet Rezensent Christoph Schröder das neue Buch des 1974 geborenen ukrainischen Autors, das aus seiner Sicht eigentlich eher eine wüste Textsammlung ist. Das emotionale Spektrum der hier beschriebenen Reisen durch die "konkrete Gegenwart und eine imaginierte Vergangenheit" der Ukraine sieht der Rezensent von "nostalgisch-verklärt" bis "wütend-enttäuscht" reichen und kann auch der sprachlichen Leidenschaft, mit der sie verfasst sind, einiges abgewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.01.2008
Rezensent Ingo Petz ist trotz einiger Einschränkungen sehr angetan von diesem ukrainischen Roman. Der Autor Serhij Zhadan verfügt seiner Meinung nach über ein "ungeheuerliches Sprachtalent" und kann gut beobachten. Das Ergebnis seien "subtile Beobachtungen, luzide Erinnerungsbilder und herzzerreißend schöne Sätze". Da stört es den Rezensenten kaum, dass Zhadan einige lange tot geglaubte Klischees aus Beat-Literatur-Zeiten recycelt. Trotzdem: für einen großen Autor hält Petz seine Entdeckung doch noch nicht. Es fehlt dem Buch an "komplexen Charakteren" ebenso wie an einer richtigen "Konstruktion". Noch verlässt sich der Autor vor allem auf seinen "wuchtigen Sprachfluss".
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