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Juri Rytcheu

Gold der Tundra

Roman
Cover: Gold der Tundra
Unionsverlag, Zürich 2006
ISBN 9783293003675
Gebunden, 268 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Zwei Generationen nach "Traum im Polarnebel" brechen zwei Amerikaner auf, die verlorene Welt ihres Großvaters zu suchen. Aber die Tschukotka hat sich dramatisch verändert. Eine unerklärliche Faszination verbindet Robert und Susan Carpenter seit ihrer Kindheit mit dem so nahen, aber unzugänglichen Land der Tschuktschen am anderen Ufer der Bering-Straße. Dort hatte ihr Großvater als Händler gelebt, bis die Revolution kam. Ihre tschuktschische Großmutter, die ebenfalls nach Alaska emigriert war, erzählte ihnen tausend Geschichten vom Leben in der Jaranga und in der Tundra. Und was hat es mit der rätselhaften Zeichnung auf sich, die der Großvater hinterließ? Susan ist sicher, dass sie ein Hinweis auf einen Goldschatz ist, den der Großvater bei seiner überstürzten Abreise zurückließ und nicht mehr bergen konnte. Als die Perestroika beginnt, machen sie sich auf die Reise, um das Land ihrer Ahnen kennen zu lernen, aber auch um den Schatz zu finden. Sie geraten mitten in die Wirren eines verlorenen, vergessenen Landes, in dem nichts mehr ist, wie es früher war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2007

Rezensentin Sabine Berking sieht in Juri Rytcheu die "einzige Stimme" der kleinen Völker im Nordosten Russlands, die auch im Westen gehört werden kann. Die Romane und Erzählungen des 1930 geborenen, tschuktschischen Autors würdigt sie als "einzigartiges Dokument der Agonie, aber auch der Widerstandskraft" der uralten Kultur Tschukotkas. Der schleichende Untergang dieser Kultur, die Ausbeutung des an Öl, Gas und Gold reichen Landes durch Moskau, die herrschende Korruption sind Themen, die auch in "Gold der Tundra" eine tragende Rolle spielen. Der Roman handelt von der Spurensuche eines amerikanischen Geschwisterpaars in Tschukotka nach dem Zusammenbruch des Kommunismus 1991, doch statt des Goldschatzes ihres Großvaters finden die beiden ein Land in Chaos und Apathie vor. Bisweilen scheint Berking die Sicht des Autors auf Tschukotka freilich zu negativ. Auch seine Einschätzung, die tschuktschische Bevölkerung habe, anders als die indigene Bevölkerung Alaskas, ihren Stolz verloren, betrachtet sie zurückhaltend, bietet der Roman doch zahlreiche Details, die diesem Eindruck widersprechen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2006

Der Rezensent Ulrich M. Schmid erläutert, dass der russisch schreibende Autor Juri Rytcheu schon in früheren Büchern überzeugende Einblicke in das Leben auf der Tschuktschen-Halbinsel im Nordosten Russlands gegeben hat, und findet, dass ihm das auch in seinem neuen Roman "Gold der Tundra" wieder gelingt. Er erzählt von den Traditionen ebenso wie den gesellschaftlichen Problemen der Gegenwart. Dieser Spagat gelingt ihm in den Augen des Rezensenten: Die "Ahnensuche", die in seinem neuen Roman auch Thema ist, webt er "auf überzeugende Weise in die Geschichte des 20. Jahrhunderts". Auch gelingt es ihm in Schmids Augen, von deprimierenden Realitäten zu erzählen, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass "die raue Natur" diese Region gleichzeitig zu einem "Ort des Glücks" macht.