Die Mark fällt. Die Preise steigen.Zwischen Rausch, Revolution und Radikalisierung - Chronik eines Jahres1923 wird zum politischen und ökonomischen Wendejahr für Deutschland. Zwischen schwindelerregenden Brotpreisen, eskapistischen Tanzabenden, der folgenreichen Ruhrbesetzung und der Einführung der Rentenmark begleitet Jutta Hoffritz vier Deutsche durch das Jahr. Durch ihren Kampf. Ihren Alltag. Ihre Verhängnisse. Wir erleben, wie Anita Berber - Berlins begehrteste Tänzerin - auf dem Zenit ihrer Karriere dem Rausch verfällt, wie Ruhrbaron Hugo Stinnes das Kalkül der Besatzer unterläuft und das Kohlekontor an die Alster verlegt, wie Reichsbankpräsident Rudolf Havenstein den Reparationsboykott finanziert und die Hyperinflation schürt, wie Käthe Kollwitz ihren Liebeskummer besiegt und das allgemeine Elend auf Plakaten festhält. Über ein Jahr und seine Menschen. Über eine Zeit, in der Deutschlands Zukunft auf des Messers Schneide stand - und die unserer heutigen mehr gleicht, als uns lieb ist.
Rezensentin Melanie Longerich bespricht drei zeitgleich erschienene Veröffentlichungen zum deutschen Krisenjahr 1923. Während Peter Reichel in "Rettung der Republik? Deutschland im Krisenjahr 1923" eine Analyse dreier Fallstudien, und Volker Ullrich in "Deutschland 1923. Das Jahr am Abgrund" eine detaillierte, aber nicht chronologische Nachzeichnung aller Ereignisse biete, hangele sich die Journalistin Hoffritz chronologisch an vier Zeitgenossen entlang, um dem Untergang der Weimarer Republik darzustellen: die Nackttänzerin Anita Berber, der Unternehmer Hugo Stinnes, der Reichsbankpräsident Rudolf Havenstein und die Künstlerin Käthe Kollwitz dienen als Fixpunkte - ein effektives Verfahren, das die Kritikerin an Florian Illies' "1913" erinnert. Auch bei Hoffritz gehe es dabei natürlich um die drei großen Faktoren Ruhrbesetzung, Hitler-Putsch und Hyperinflation - letztere war auch der Grund für die Einführung des Muttertags, um den Floristen wieder Gewinne verschaffen, wie Longerich bei Hoffritz liest. Besonders schätzt sie Hoffritz' Darstellung aber dafür, dass sie die Ambivalenz zwischen politischer Krise einerseits und kultureller Blüte andererseits hervorkehre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2022
Gleich fünf neue Bücher zum Weimarer Krisenjahr 1923 nimmt sich der Historiker Alexander Gallus vor, auch wenn er nicht unbedingt ein Freund dieser Jahresschriften-Mode zu sein scheint. Die Darstellung der Journalistin Jutta Hoffritz scheint ihm nicht unbedingt eine neue Sicht oder ein differenziert historisches Urteil auf jene Zeit zu verschaffen. Hoffritz setzt das Schillern jener Zeit in Szene, führt illustre Personen wie die Täntzerin Anita Berber, den Großindustreillen Hugo Stinnes oder die Künstlerin Käthe Kollwitz auf, um in kurzen Sätzen und historischem Präsens das Kurzatmige jener Zeit anschaulich zu machen, wie Gallus bemerkt.
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