244 Seiten mit 50 farbigen und 120 schwarzweißen Abbildungen, 20 x 25 cm. Das ehemalige Krematorium Wedding, heute ein pulsierendes Kulturquartier, spiegelt auf einzigartige Weise Berliner Stadtgeschichte: Zwischen 1909 und 1910 als erstes Krematorium der Stadt errichtet, zeugt der Bau vom kulturhistorischen
Wandel, der sich mit der Einführung der einst als "heidnisch" verpönten Feuerbestattung vollzog. Gegen den Widerstand der Kirchen setzte sich die alternative Bestattungsform im Kaiserreich als Ausdruck von Fortschritt, Säkularisierung und Hygienebewusstsein durch. Das Krematorium Wedding wurde im Jahr 1912 feierlich eingeweiht und blieb bis 2002 in Betrieb. Nach vorübergehendem Leerstand begann 2013 der Umbau zum "silent green"-Kulturquartier, das bereits wenige Monate später seine Pforten für Veranstaltungen öffnen konnte.
Die wechselvolle Historie des Krematoriums vom deutschen Kaiserreich bis zur Jahrtausendwende wird in diesem illustrierten Katalog dargestellt. Anschließend erläutern die Initiatoren des "silent green", Jörg Heitmann
und Bettina Ellerkamp, in einem ausführlichen Interview Entstehung und Konzept des interdisziplinären Veranstaltungsortes. Zahlreiche Fotografien dokumentieren den historischen Zustand des Krematoriums und den denkmalgerechten Umbau für seine heutige Nutzung als Kultureinrichtung.
Mit großem Interesse hat Rezensentin Sophie Jung diese Monografie über das Krematorium in Berlin-Wedding gelesen, das bei seiner Eröffnung 1911 noch stark umstritten war: "Avantgarde" und Arbeiter feierten die Feuerbestattung als hygienisch, modern und selbstbestimmt, den Konservativen galt sie als gottlos, erzählt die Rezensentin. Auch Architekt William Müller war sich des Umbruchs bewusst, lesen wir. Er entschied sich für eine oktogonale Urnenhalle, die auf frühchristliche Architektur verweist, dies aber im "sachlichen Reformstil". Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Einäscherung einen schlechten Ruf, und heute ist das Krematorium ein Kulturquartier, so Jung. Den Weg bis dorthin ist sie mit Jutta von Zitzewitz' Mischung aus Kultur-, Kunst- und Gesellschaftsgeschichte gern mitgegangen.
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