Nach der englischen Fassung übersetzt von Sabine Lohmann. Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken; ein tragischer Unfall, wie es scheint. Wenige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine letzte Lektion mit auf den Weg geben. Denn sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben. Mit einer erschütternden Offenbarung setzt sie unter ihnen ein tödliches Drama um Schuld und Rache, um Gewalt und Wahnsinn in Gang, an dessen Ende keiner - weder Kind noch Erwachsener - ungeschoren davonkommt.
Elmar Krekeler bedankt sich ganz herzlich beim Krimigott für dieses schöne, böse Buch . Er ist geradezu hingerissen von der erzählerischen Kaltherzigkeit, mit der ihm Kanae Minato diese Geschichte präsentiert, die ebenso gut aus dem Horrorkabinett wie aus dem Tagebuch einer Helikoptermutter stammen könnte. Minato erzählt in ihrem Roman, der in Japan vor zehn Jahren erschien und dort auch längst verfilmt wurde, von dem Tod eines kleines Mädchens, an dem sich ganz zwei Schüler der Mutter schuldig gemacht haben. Was für Abgründe sich im ganz normalen Leben ehrgeiziger Mittelschichten auftun, das lässt den Rezensenten benommen und begeistert zurück.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2017
In Kanae Minatos Interpretation der modernen durchrationalisierten Welt gibt es keine Chance auf Frieden, auf Nähe, Liebe, Sühne und Verzeihen, nur Vernichtung, erfahren wir von Rezensent Reinhard J. Brembeck, - einzig herrschendes Recht: das archaische Faustrecht. Die Geschichte spielt im heutigen Japan: Eine Lehrerin, deren Tochter von zwei ihrer Schüler ermordet wurde, will keine Gerechtigkeit, sie will Rache und die bekommt sie - nicht etwa durch Mord, sondern durch psychische Zerstörung. Schlicht, prägnant und kühl, so der Rezensent, erzählt Minato von der absoluten Vereinzelung, von Zerstörung und vom Krieg eines jeden gegen jeden. Dabei laufe subtil die Frage mit, was Kindererziehung in einer Welt wie der beschriebenen überhaupt noch leisten kann. Sie bleibt jedoch unbeantwortet, genauso wie die Frage, ob Brembeck etwas mit dieser Geschichte und der darin zum Ausdruck kommenden Weltsicht anfangen kann oder nicht.
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