Im US-Militär gibt es so viele Frauen wie in kaum einer anderen Armee. Mit ihrer Integration 1973 entstanden umfangreiche Gleichstellungsprogramme. Karin Gabbert untersucht deren Auswirkungen in der hierarchischen Organisation des US-Militärs. Auf der Basis von militärinternen Analysen, Interviews im Pentagon und Feldstudien im Institut zur Ausbildung von Gleichstellungsberatern stellt sie den erstaunlichen Wandel militärischer Männlichkeit dar: Gleichstellungspolitik hat sexuelle Belästigung reduziert, während sie weiterhin militärische Kampfbereitschaft stärken soll. Männlichkeit ist dabei immer weniger ein Kriterium. Was zählt, sind scheinbar geschlechtsneutrale Anforderungen wie Risikofreude, Leistungsdenken und Technikbesessenheit, die auch in der individualisierten Leistungsgesellschaft maßgeblich sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2007
Ihre Parteilichkeit will Wilfried von Bredow der Autorin nicht zum Vorwurf machen, wenn er Distanziertheit auch für die bessere Haltung beim Verfassen einer Arbeit wie dieser hält. Dass Karin Gabbert fair vorgeht, daran hat Bredow allerdings gar keinen Zweifel. Faktenreichtum, soziologischer Fachverstand und eine spannende Präsentation gehören für ihn weiterhin zu den Vorzügen einer Arbeit, die ihm die "dramatischen Prozesse" hinter den Zahlen betreffend die Gleichstellungspolitik beim US-Militär offenbart. Und - überraschend für den Rezensenten - den Erfolg beim "Wandel der Geschlechtsverhältnisse in ihrer Organisation".
Hochinteressant und dazu noch sehr gut lesbar findet Rezensentin Barbara Sichtermann diese aus einer Dissertation hervorgegangene Studie. Auch lobt die Rezensentin die Entscheidung der Autorin, ihrer Untersuchung die US-Streitkräfte zugrunde zu legen, da es nirgends mehr und länger Frauen gebe und gleichzeitig deren Einfluss auf den Wandel der Geschlechterverhältnisse beim Militär auch nirgends so unfassend dokumentiert worden sei. Karin Gabbert fördere aber auch noch "mengenweise Neues" zutage, befasse sich nicht nur mit Fragen der Statistik, sondern auch mit der Erweiterung von Machtspielräumen, dem Einfluss auf das männliche Selbstverständnis, den das Eindringen der Frauen in die letzte Bastion hegemonialer Männlichkeit hatte. Zu diesem Zweck werte Gabbert außerdem zahlreiche Studien aus, ziehe zum Vergleich andere Armeen in Gegenwart und Vergangenheit heran, und widme sich ebenso ausführlich der Militärkultur, dem Umgang mit Homosexuellen, Gleichstellungspolitik, bewusster Steuerung von Ängsten und Vorurteilen sowie dem Komplex der sexuellen Belästigung.
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