Überstürzt ist Nora in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, um ihrer Mutter, die im Sterben liegt, nahe zu sein. Unter der Last des viel zu frühen Abschiednehmens bricht eine nur oberflächlich verheilte Wunde auf, und ein Verbrechen, dessen Opfer ihre Mutter als Kind geworden ist, wird offenbar. Nora erstattet Anzeige und erhält eine niederschmetternde Antwort: Verjährt. Am Mikrofon beginnt sie ein gefährliches Spiel, um die Hörerschaft gegen den Täter zu mobilisieren. Als es schon fast zu spät ist, findet sie gemeinsam mit Simon, einem Rechtsreferendar, einen anderen Weg. Dass dabei die Grenzen der Legalität strapaziert werden, ist eine Sache. Eine andere die Frage, was Nora und Simon einander sein können außer "companions against crime".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2019
Rezensentin Insa Wilke lässt sich zunächst auf die anfängliche Wohlfühl-Atmosphäre von Karin Kalisas neuem Roman ein, stört sich dann aber an der zunehmenden Kluft zwischen Form und Inhalt. Die Autorin erzählt in ihrem zweiten Roman von einer norddeutschen Radiomoderatorin, die einen verjährten Kindesmissbrauchsfall aufarbeiten will. Dass sich der Roman dabei auf der Grenze zwischen bekömmlicher Unterhaltungsliteratur und moralischem Tiefgang bewege, scheint die Rezensentin nicht unmittelbar abzulehnen: So lässt sie sich anfangs noch gerne von den "gekonnt zugespitzten" Figuren und der "offensiven Leichtigkeit" in Kalisas Sprache unterhalten. Aber angesichts des ernsten Themas fällt der Rezensentin die Sprache dann doch zunehmend zu "niedlich" aus, und letztendlich scheint sie sich Adorno anschließen zu wollen, der solcher Literatur wohl Verharmlosung vorwerfen würde, so Wilke.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.08.2019
Manuela Reichart hat jede Menge Vergnügen mit Karin Kalisas Roman über ein paar Radiomacher und eine junge Frau, die als beliebte Radiomoderatorin eine besondere Agenda verfolgt: den davongekommenen Vergewaltiger ihrer Mutter dingfest zu machen. Der Clou der Story liegt für Reichart in der großen Leidenschaft und der Kenntnis, mit der die Autorin vom Radiomachen erzählt. Die genaue Figurenzeichnung und den spannenden, temporeich entworfenen Plot verachtet die Rezensentin aber auch nicht.
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