Mit 375 Abbildungen. Die traditionelle Architektur im ländlichen Osten Syriens und dem Euphrattal bildet eine Einheit mit der Landschaft. Aus den lokalen Materialien Lehm, Stein, Holz und Stroh errichtet, ist diese Architektur optimal an die trocken-heißen Klimaverhältnisse am Rande der Syrischen Wüste angepasst. Im Laufe von nur rund einhundert Jahren haben die arabischen, kurdischen und christlich-aramäischen Bewohner der Region eine Palette von Haustypen entwickelt, die in verschiedenen Traditionen wurzeln. Bis heute nutzen Nomaden ihre schwarzen Ziegenhaarzelte. Wo sie sich ansiedelten und zu Ackerbauern wurden, übernahmen sie die jahrtausende alte Form des Kuppelhauses und schufen eigene Haustypen. Aus Ostanatolien vertriebene Bauern brachten spätosmanische Architekturformen in die Region. Mit großer Geschwindigkeit ersetzt heute eine simple, pseudoarabeske Betonbauweise die traditionelle Architektur mit ihrer regionalen Vielfalt. Dieses Buch gibt einen umfassenden Einblick in die Wohnweisen der Region und in eine langsam sterbende Architektur, die hier in ihrem Wesen dokumentiert und fotografisch festgehalten wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2005
Eine "umfassende Untersuchung" über das traditionelle Bauens in Syrien erblickt Rezensent Gustav Falke in Karin Pütts Band "Zelte, Kuppeln und Hallenhäuser". Kaum einen besseren Zugang zum ländlichen Orient kann sich er vorstellen, so reich an "genauen Beobachtungen" sei der Band, so gut dokumentierten seine Fotografien nicht nur Gebäude, sondern auch den dortigen Alltag. Angesichts des zunehmenden Verschwindens traditioneller Lebensformen und damit auch traditioneller Bauweisen im Orient für Falke ein wichtiger Aspekt. Allerdings erscheint ihm die vom Einfachen zum Komplexen gehende Typologisierung, die die Autorin vornimmt, fragwürdig. Kritisch sieht er zudem bei Pütt das Zusammentreffen der architekturhistorischen Praxis, Typologien als Ahnentafeln zu entwerfen, mit latenten Vorstellungen von der Ursprünglichkeit der Nomaden. Erstaunt zeigt er sich in diesem Zusammenhang von der weitgehenden Ausblendung ethnologischer Arbeiten.
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